Herbstblatt (Bauplan)

Aus DraWi
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Der Bauplan ist von Werner und Paola Haustein, alle Rechte beim Verfasser, jede gewerbliche Nutzung ist verboten.

Bauplan

Dieser Bauplan erschien im Drachenmagazin in der Ausgabe DraMa 1997-1.


Wie die Idee entstand? Der entscheidende Einfall kam uns bei einer Wanderung. Den Kopf noch voller Drachenideen schwebte uns die Lösung plötzlich förmlich vor Augen: bunte Herbstblätter, die wie kleine Drachen herumsegelten. Wir sammelten einige auf und kamen zu der Überzeugung, daß diese Formen mit ihren bunten Farben sich in einen Drachen umsetzen lassen müßten.

Die Wahl zwischen den verschiedenen Blättern war gar nicht so einfach, aber am besten gefiel uns schließlich das Ahornblatt.

Die Konstruktion

Der Blatt-Drachen ist einfach zu hauen. Die Konstruktion ähnelt einem Achteck- Drachen. Vier gleich lange Stäbe kreuzen sich in einem Punkt und bilden untereinander Winkel von 45°, nur daß der Überkreuzungspunkt bei unserem Drachen nicht in der Mitte liegt. Tatsächlich ist die Bauweise aber nicht dem Achteck nachempfunden, sondern der Natur abgeschaut. Dieses Verfahren hat sich ja schon bei mancher Konstruktion bewährt! Beim Betrachten eines Ahornblattes unter dem "konstruktiven" Gesichtspunkt stellt sich nämlich heraus, daß die Blattstege von einem Punkt ausgehen, miteinander recht genaue 45°- Winkel bilden und die Abstände zwischen gegenüberliegenden Blattspitzen ziemlich gleich sind. Damit war die Gerüstanordnung prinzipiell vorgegeben denn es war abzusehen, daß die Stäbe im Flug durch das Tuch scheinen würden, und dann sollten sie wie das Blattgerüst aussehen. Blieb noch die Frage, wie der Blattumriss nachgebildet werden sollte. Die anfängliche Idee auch die Zacken zwischen den Blattspitzen nachzubilden, wurde zugunsten einer einfacheren Konstruktion verworfen. Bei unserem Blatt wird der Umriss zwischen den Spitzen durch geschwungene Konturen gebildet, die einerseits dem echten Blattumriss ähneln und andererseits den Effekt haben, das Tuch zu straffen.

Das Segel

Das Segel ist bei uns aus lauter Resten von Spinnakernylon zusammen genäht; gab's also sozusagen zum Nulltarif. Für die Farbzusammenstellung machten wir vorher etliche Entwürfe auf Papier und versuchten nachher. uns beim Nähen einigermaßen an den ausgewählten Entwurf zu halten. Das war allerdings schwierig, weil oft auch Rücksicht auf die Form vorhandener Stoffreste genommen wurde. Die Schwierigkeit beim Nähen ist vor allem, daß das fertige Tuch ganz eben wird. Bereits durch kleine Verschiebungen beim Nähen treten später Verwerfungen im Tuch auf. (Wir haben es an anderer Stel1e schon häufiger geschrieben: es empfiehlt sich dringend Spi-Rest nicht achtlos in einem Sack o.ä. zusammengeknüllt aufzuheben, sondern glatt, im Regal oder auf Papprollen gewickelt. Mit glatten, faltenfreien Spi-Resten reduzieren sah die hier beschriebenen Schwierigkeiten auf ein auf ein Minimum. Red.) Hier haben wir viele vergebliche Anläufe unternommen und sind schließlich zu der Erkenntnis gekommen. daß es unbedingt notwendig ist, einen ebenen Platz zu haben, auf dem der ganze Drachen ausgelegt werden kann. Auch müssen die Stücke, die neu angesetzt werden sollen. sehr gut auf dem schon fertig genähten Teil fixiert werden, so daß ein Verrutschen beim Nähen vermieden wird. Im einzelnen hat sich bei uns dann folgende Vorgehensweise bewährt: Zunächst wird der Segelumriss exakt auf ein großes Stück Papier übertragen. Für das Papier verwendeten wir zwei Streifen Papiertischdecke die wir aneinander klebten. Wenn man auf das Papier zunächst ein 100 mm-Raster zeichnet. kann man die Kontur gemäß Abb. 1 auf das Raster übertragen. Es empfiehlt sich. die Kontur mit einem schwarzen Filzstift nachzuziehen, da dieser auch durch den Stoff hindurch sichtbar ist Auf dem Papier sollten auch die Stellen eingetragen werden, an denen sich später Stabkreuz und Durchbruch für die hintere Waageschnur befinden.

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Mit dem Zusammenzusetzen der Stoffteile besinnt man am besten in der Drachenmitte. Für das erste Stück schneidet man aus dem entsprechenden Stoff den gewünschten Umriss zurecht - am besten mit dem Lötkolben (Belüftung!!, um Ausfransen des Stoffes zu verhin- der restliche Umriß vollends Zuge dem. Dann wird dieses erste Stück schnitten. Damit dort, wo sich di auf seinen Platz auf dem Papier ge- Stoffe überlappen nur das ober legt und das nächsc Stück mit der Stoffteil durchtrennt wird, schieb Schere grob zugeschnitten. Wichtig man ein dünnes Stück Blech zwi ist, daß sich die beiden Stoffe dort, schert die beiden Stoffe. Diese wo sie zusammengenäht werden Blech hat dealerweise eine etwa sollen, um mind. 10 mm und Marc. kurvige Form damit man Imme 30 mm überlappen. eine Stelle findet, die gut zum Ve^l Das zweite Stück wird nun auf tauf der Naht paßt. Nun entlang dc das erste gelegt und mit transparen- neuen Schrittkante eine zweite Ge tem Klcbeb;~n~l emlmg der ganzen radslich-Naht anbringen - fertig Schnittkante fixiert. Hier erspart Das heißt, natürlich nur mit dienen man sich später mutbevolle Rupf- Stoffstück: Jetzt wird wieder Da Arbeit. wenn man darauf achtet, daß nächste Teil grob zugeschnitten. fi der Klebefilmnichtdort angebracht xiert usw. von innen nach außen w rd wo später gereiht wird. Falls Am Rand das Segels läßt man etwa; sich Falten bilden, muß man das Stoff überstehen und schneidet de^l Klebebauöl Wieilei Riten und es Umriß erst ganz zum Schlußgenas nochmal probieren. Sorgfalt zahlt zu, wobei ran 6 mm für den Saun sich hier wirklich ~us. Dann wird zugibt. Um einen sauberen Saum z zunächst entlang der Kante des er- erhalten, muß man an den Stelle^l sten Stücks eine G^oradstich-Naht mit großer Krümmung ein Stücl anfahrseht I^f Tot sind beide Stucke weiteinschneiden. zueinander fixiert, und das Klebe- Das fertige Drachensegel sollt band kann entfernt Corden. Die Kle- man noch einmal auf die Papiervor Bebänder kann man übrigens ohne tage legen, um die beiden Bekenn weiteres mehrmals verwenden. Nun zeichneten Punkte (Stabkreuzuni erst wird mit Hilfe des Lotkolbens UTui ~hrur^r~^l^r^l:bh^Q^lr~ elf dem;

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Segel abzuzeichnen die genau in der Symmetrieachse des Drachens liegen müssen.

Verstärkungen

Die Stellen, an denen Verstärkungen angebracht werden, sind aus Abb.1 ersichtlich. Dort, wo die Stabkreuzung liegt, wird eine zweite, ca. 80 x 80 mm große Stoffschicht aufgenäht. Die Form ist beliebig. Eine ähnliche Verstärkung wird an der Stelle aufgenäht, an der später die Waageschnur durchgeführt wird. An dem vorher aßgezeichneten Punkt wind anschließend eine Öse in den Stoff genietet.

Die Verbindung der Stäbe mit den Blattspitzen ist aus Abb. 2 ersichtlich. Für jede Spitze wird ein 100 mm langes und 140 mm breites, doppeltes Verstärkungsband aus Spinnacker in der jeweiligen Farbe zugeschnitten. Um beim Nähen nicht kribbelig zu werden, weil ständig der Stoff verrutscht, schneidet man ein ca. 110mm langes und 35mm breites Stoffstück zu, faltet es entlang der Mittelachse in Längsrichtung, presst es mit einem Metalllineal o.ä. zusammen und schneidet die beiden aufeinander liegenden Stoffteile gemeinsam am Lineal entlang mit dem Lötkolben auf 14 mm Breite und 100mm Lange zu. So werden beide Teile miteinander verschweißt und können sich nicht mehr gegenseitig verschieben. Die Verstärkungen werden auf den Drachen genäht (Abb. 2). Hier empfiehlt sich eine vorherige Fixierung mit Klebeband. In die Taschen, die sich beim Aufnähen bilden, wird jeweils ca. 15 mm langes Schlauchstück ( außen ca. 6 mm, innen ca. 3mm) geschoben und mit einem Stuck Schnur fixiert. Zuletzt werden noch die Taschen für die Befestigung der beiden vorderen Tuch-Spannschnüre an den stumpfwinkligen Blattecken angebracht. Dazu wird ein Stoffstück (Abb. 3) zugeschnitten, um das Blatteck herumgelegt und autgenäht. Durch den dabei entstandenen Schlitz wird ein passendes Alu- oder Kunststoffstück geschoben, an dem später die Spannschnur befestigt wird, und das die Kraft gleichmäßig auf den Stoff verteilt.

Das Gestänge

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Jetheile verwenden, man kann sich aber auch - wie wir - selber welche aus Alurohr herstellen (siehe Foto). Die Selbstgemachten haben den Vorteil, daß sie nicht geschlitzt sind und daß so ein versehentliches Herausziehen der Spannsc^1nüre beim abgebauten Drachen un nöglich ist. Ein großes Problem steht dies aber nicht dar. Eine Gummikordel (ca. ~,5°) wird dann jeweils durch das Schlauchstück einer Bluuspitzc und durch die beiden Löcher der AluEndkappe bzw. das Querloch der ten so lang sein, daß das Blatt bei eingesetzten CFK-Rohren gut vor gespannt, aber nicht iiher~le~hnt win1 Zuletzt werden die beiden stumpfwi^Dk^ligen Blattecken über Schnüre mit der Kappe am vorderen Ende des Längsrohrs verbunden. l?azu werden alle Rohre eingesetzt und die Schnüre so weit gespannt, daß das Tuch möglichst faltenfrei ist Die Rohre selbst werden am vorher angczcichnctcn Ubcrkrcuzungspunkt am Segel fixiert. (Die Befestigungsstelle am Segel sollte nicht mit hängen können.) Die Befestig^l dient dazu, ein seitlich s Ausaß eben rkr R öhre ZU Verbindem, wo sie unter Belastung stehen. Da genügt eine einfache Fixierung zwei Schniinen. die um die Rohre Kreuzungspunkt gelegt und du das Tuch gezollten werden (sie Abb. 4) Bei unserem Drachen ze ren sich auch nach mehreren Lidl keine Anzeichen, daß das Tuch den Stellen, wo die Schnurdurch zögen wurde, auszureißen drohte Die beiden Diagonal-Rohre m sen nun noch nach oben gebot werden, un^1 dem Drachen, de ohne Schwanz fliegt Stahili~är geben. Dies geschieht mit eh Schnur, dcrcn Löge mzn mit IL eines Schnurspanners einstellt macht. I)ie Schnur ist also an ein Ende des Stabes an der Kappe x irrte am anderen Ende läuft sie I durch die beiden Löcher in der K, pe unc zum Schnurspanner zurü Bcim Einsctzcn der vier Rohrc sät te man diese Reihenfolge einhalt ganz unten - am Stoff - das Qu röhr, darüber die beiden Diagon rohre und ganz oben das Längsrc Da die Reihenfolge der beiden ~ spielt, kann man sich, um beijedem Aufbau gleiche ^Verh^allunisse zu ha ben, an der Uberkreuzurg der Spann schnure orientieren. Aus dekorativen Grinden haben wir über den Teil des Langsttaben der über den Stob herausragt, ein Stück schwarzes Installationsrohr als "Blattstiel" gesteckt. Das Rohr ist 400 mm lang und an der Stelle, wo die vordere Waageschnur befestigt ist, mit einem Loch versehen. Das Rohr sollte nicht gar zu schwer sein, weil sich sonst der Schwerpunkt zu weit nach vorn verlagert. Außerdem würde natürlich das ^rlächen^Oewicht darunter leiden. Die Waage Die Anbringung der Waage am Drachen sollte gemäß Abb. 5 erfolgen. Die beiden hier angegebenen Befestigungspunktc am Drachcn wurden durch zahlreiche Versuche mit dem kleinen Blatt-Modell bestimmt und so ausgewählt, daß der Drachen übereinen sehr großen Windbereich stabil fliegt. Eine Dreipunktwaage wurde übrigens auch ausprobiere brachte Über kcinc gut n Ergcbnisse. Die gefundenen Einstellungen haben sich auch beim großen Bla^U bewährt, mit dem Unterschied, daß dieses auf abweichende Einstellungen gutmütiger reag ert. An den Stellen, wo die Waageschnur am Längsrohr befestigt wird, müssen zwei kurze Alu-Rohrstücke (ungefahr 10 nun langt mit Sekundenkleber auf das Rohr geklebt werden, die verhindern, daß die Schnur verrutscht. Vor dem Kleben sollte man, einen Tip des Herstellers folgend, die CFK Rohre mit Schmirgelpapier leicht aufrauhen, um eine sichere Verklebung zu gewährleisten. Die Rohrstücke brauchen nur auf der inneren Seite der beiden Befestigün~spunkte angebracht zu werden, da der Zug nur in diese Richtung wirken kann. Der hintere Befestigungspunkl muß sei augebrach^L werden, daß die Waageschnur frei durch die Ose im Segel läuft. Zum Bestin~rnen der richtigen Stelle sollte der Drachen auf jeden Fall ganz aufgebaut wenden. Obwohl der Längsstab beim Zusammc^l^llcgcn den Drachcns norrnalerweise im Drachen verbleibt. ist es günstig, wenn man ihn auch ein Hat herausnehmen kann. Schließlich kann es vorkommen, daß etwas zu reparieren i st. naher grillte ~lie~Waageschnur teilbar sein. Das geschieht dadurch, daß -nan am hinteren Befestigungspun:<t lediglich eine kurze Schnur anbringt, die in einer kleinen Schleife endet. Den vorderen Teil der Waagenschnur läßt man an ei nem etwa 20 mrn langen. dünnen Stäbchen enden, das dann durcb die Schleife geführt wird. E;ns^lellung der Waage und Spannsclmüne Zur Beeinflußurig des Flugverhaltens hat man mehrere Möglichkeiten: Man kann den Waagering verstellen und die beiden Dia^6onal-ohre mehr oder weniger spannen. Es ist vielleicht gar nicht so schlecht, einfach selbst zu Eßsperunentieren, denn dabei lernt man seinen neuen Drachen am besten kennen. Hier aber einpaarTips: Bei richtiger Ein stellung fliegt der Drachen ruhig und steil Wl^d Pennell IIUI bei Bühl schwachem Wind etwas hin und her. Wenn der Waagering gemäß jobb. eingestellt ist und die Diagonalstreben um etwa 120 mm durchgebogen final, sollte man ein

n^Lcgrwng~.nrs Flugverhalten erhalten. Falls der Drachen nach links und rechts rüttelt, ist

das ein Zeichen dafür, daß der Ring zu weit hinten sitzt. Im umgekehrten Fall tendiert das Blau zu weiten seitlichen Bewegungen. Falls es sich herausstellt, daß der Drachen schief fliegt ("schiebt"}, daß also seine Längsachse nicht in Windrichtung zeigt, kann man durch Nachspannen der diagonalen Stäbe abhelfen. Der Diagonalstab, der nach vorne kommt, muß etwas stärker gespannt bzw. der andere etwas nachgelassen werden. Zerlegen das Drachens Zwn Zerlegen werden die sechs Kappen der Diagonalrohre und des Querrohrs abgezogen. Die Rohre werden aus der Fixierung am Überkreuzungspunkt gezogen und neben das Längsrohr gelegt. Nun wird die eine Hälftedes Tuches ~bergeschlagen und der ganze Drachen vom Längsrohr her aufgewickelt. So ergibt sich ein dünnes, zwei Meter langes Paket das sich bequem transportieren läßt. Resümee Wir hoffen. daß Sie beim Bauen und beim Steigenlassen des Drachens soviel SpaB haben wie wir. Wenn wir spazieren gehen, sehen wir inzwischen schon in jedem neuen Blatt einen möglichen Drachenkandidaten. Unser nächster Blatt-Drachen ist also schon in Vorbereitung Mal sehen, ob er bis zum nächsten Drachenfest fertig sein wird und dann auch andere Blätter schon den Drachenhimmel bevölkern!


Text und Fotos: Werner Haustein und Padla Bianchi-Halstein Skizzen: Joachim Schülein nach Vorgaben der Autoren.

Ergänzungen