2-schenklige Aktivwaage

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Von Andy Wardley.

Die 2-schenklige Aktivwaage ist einfacher zu konstruieren und einzustellen als die originale Aktivwaage, obwohl sie etwas mehr Zeit für die Konstruktion braucht, da sie zwei Aktivatoren statt einem hat (daher auch der Name). Sie ist besonders gut geeignet für größere Drachen, die präzisere Kontrolle benötigen. In diesem Artikel wird die 2-schenklige Aktivwaage beschrieben und mit der originalen Aktivwaage verglichen. Die Konstruktion einer 2-schenkligen Aktivwaage wird hier beispielhaft anhand eines Phantom Elite erklärt.

Einleitung

Die Aktivwaage ist eine dynamische Waage, die einem breiten Spektrum an Drachen positive Flugeigenschaften verleiht. Diese Waage wurde schon an mehreren Drachen mit sehr guten Ergebnissen getestet.

Bei der Konstruktion von Aktivwaagen für verschiedene Drachen ist der größte Nachteil der Waage immer deutlicher geworden, nämlich, dass es schwierig sein kann die Waage so einzustellen, dass das gewünschte Ergebniss erzielt wird. Diese Waage ist bedingt durch den Aufbau, vor allem wegen der Länge des Stabilisators und dessen Position auf dem unteren Waageschenkel, sehr empfindlich bei der Einstellung.

Die 2-schenklige Aktivwaage löst dieses Problem durch einen zweiten Aktivator zwischen den unteren Waageschenkeln, der den Stabilisator ersetzt. Dadurch wird zwar nicht das Verhalten einer Standard-Aktivwaage voll nachgebildet, sie erhöht aber die Stabilität und Präzision des Drachen und erzeugt einen leichten Übergang zwischen Geradeausflug, Drehung und Tricks. Bedeutender ist, dass die Waage robuster, einfacher zu entwickeln und weniger empfindlich bei der Feineinstellung ist. Darüberhinaus kann eine statische Waage schnell und einfach zu einer 2-schenkligen Aktivwaage umgebaut werden.

Der einzige, signifikante Kompromiss ist, dass die 2-schenklige Aktivwaage keine so große Stabilität bei Stalls und Slides erzeugt wie eine Original-Aktivwaage. Die 2-schenklige Aktivwaage ist dennoch eine bemerkenswerte Verbesserung im Vergleich zu einer statischen Waage und dieser Effekt kann zu einem gewissen Grad durch die Position des zweiten Aktivators verändert werden.

Der allesübergreifende Effekt einer 2-schenkligen Aktivwaage ist einen Drachen zu entwickeln, der sehr leicht in den beiden Standards Präzision sowie Trick zu fliegen ist. Der Drachen gibt ein besseres Feedback, wodurch sich das Gefühl für den Drachen verbessert. Verbesserte Spurtreue und Präzision vermitteln mehr Freestyle-Möglichkeiten, erlauben weichere Übergänge in und aus Tricks und verbessern das Stallverhalten gegenüber einer statischen Waage. Zudem ist die 2-schenklige Aktivwaage einfacher zu konstruieren und abzustimmen als eine Standard-Aktivwaage und kann einfach an eine statische Waage angepasst werden.

Aufbau einer Aktivwaage

Abb. 1
Abb. 2

Die Aktivwaage kann als statische Waage mit zwei zusätzlichen Elementen betrachtet werden. Diese werden als Stabilisator- und Aktivatorschenkel bezeichnet.

Der Stabilisator verbindet den oberen Waageschenkel mit den zwei unteren, er ist in Abb. 1 rot dargestellt. Er hat die Funktion, eine seitliche Instabilität des Waagepunktes zu erzeugen, was je nach Spannung der Flugleinen eine Bewegung des Waagepunkt zum Kielstab oder zur Leitkante verursacht. Der Waagepunkt wird nach innen gezogen, wenn der Drachen eine gerade Linie fliegt, dadurch bekommt der Drachen eine gute Spurtreue. Wird eine Leine gezogen verschiebt sich der Waagepunkt nach außen, dies verbessert die Kurveneigenschaften.

Der zweite zusätzliche Schenkel wird Aktivator genannt und verbindet den inneren mit dem oberen Waageschenkel, er ist in Abb. 2 rot dargestellt. Dieser Schenkel beeinflusst den Anstellwinkel des Drachen, indem die Nase leicht nach vorne oder hinten, abhängig vom Wind, der Position im Windfenster und der Leinenspannung, gekippt wird. Dadurch bekommt der Drachen eine gleichmäßige Geschwindigkeit und ein gut beherrschbares Fluggefühl.

Diese zwei zusätzlichen Schenkel führen in Kombination als Standard-Aktivwaage zu verbesserten Flugeigenschaften. Jeder der beiden Schenkel führt einzeln betrachtet zu einem bemerkenswerten Vorteil, aber erst die Kombination und Zusammenarbeit von beiden führen zu dem gewünschten Ergebnissen.

Grenzen der standard Aktivwaage

Der größte Nachteil ist, dass die Einstellung einer Standard-Aktivwaage sehr schwer ist. Vor allem der Stabilisator ist schwer in der Länge und Position an den unteren Waageschenkeln abzustimmen, um ein gutes Gesamtergebnis zu erzielen. Die Konstruktion ist aber nicht so schwer wie sie erscheint und auch eine Aktivwaage die nicht perfekt ist kann viele Vorteile bringen, auch wenn sie dann nicht alle Eigenschaften des Drachen verbessert. Anders ausgedrückt: Man macht den Drachen vielleicht nicht perfekt, aber man wird ihn sicherlich verbessern.

Der Aufbau eines Drachen ist nicht allein ausschlaggebend für sein Flugverhalten, aber der grundlegende Aufbau bestimmt was die Waage erzielen kann und was nicht. Eine Aktivwaage kann eine schon bestehende Eigenschaft verbessern oder eine schlechte bis zu einem gewissen Grad ausgleichen oder ihm sogar eine Eigenschaft geben, die er vorher gar nicht hatte. Im Ganzen bestimmt der Drachen was möglich ist und die Waage gibt ihm so viele gute und wenig schlechte Eigenschaften wie möglich. Es ist die Aufgabe des Waagenkonstrukteurs diese Redewendung so umzusetzen, dass verschiedene Eigenschaften in verschiedenen Flugsituationen verbessert werden. Ein typisches Beispiel dafür ist die Bewegung des Waagepunktes nach innen und außen um die Spurtreue und Wendigkeit zu verbessern, je nachdem ob der Drachen im Geradeausflug oder in einer Drehung ist.

Die Vielseitigkeit eines Drachens bestimmt wie Effektiv eine Aktivwaage ist. Einige Beispiele veranschaulichen dies:

Trickdrachen
Der Box of Tricks ist ein reiner Trick-/Freestyledrachen und hat ein radikales Flugverhalten, dass nur wenig Kontrollierbarkeit und Päzision enthält. Die Aktivwaage erweitert die freestyle Eigenschaften und verbessert gleichzeitig die Spurtreue, gleichmäßige Geschwindigkeit und Stall Eigenschaften. Der Drachen wurde nie für eine stabiele Fluglage und Präzisionsfiguren konstruiert, die Waage lässt viel Spielraum. Es muss keine perfekte Balance zwischen Päzision und Trickfähigkeit gefunden werden um das gewünsche Ergebnis zu erreichen. Der Drachen muss nicht sehr präzise werden, da er nicht dafür ausgelegt ist.
Teamdrachen
Ein Drachen, der für den Teamflug gebaut wurde ist typischerweise sehr stabil, möglicherweise auf Kosten der Manöverierbarkeit. Dadurch kann viel, was der Drachen im Trickflug erreichen könnte, auf der Strecke bleiben. Eine Aktivwaage kann beutzt werden, um dem Drachen ein radikaleres Verhalten und andere Vorteile, wie eine gleichmäßige Geschwindigkeit, besseres Ansprechverhalten und eine bessere Stabilität, auch in Stalls und Slides, zu geben. Man kann die radikalen Auswirkungen der Waage hervorheben und die gewohnte Präzision des Drachens beibehalten, um einen weiten Einsatzbereich zu erhalten ohne einen Kompromiss zu den vorherigen Flugeigenschaften einzugehen.
Freestyle Drachen
Ein allround Freestyle Drachen, wie der Outer Space, soll eine hohe Präzison und gute Trickfähigkeit vereinen. Die Aktivwaage wurde an verschiedenen Prototypen des Outer Space entwickelt und zurzeit intern als Phantom Freestyle bekannt. Dieser Drachen, und diese Art von Drachen, wird von einer Aktivwaage, die Flugeigenschaften für Präzision und Tricks verbessern kann, am meisten unterstützt. Hier ist die größte Herausforderung die Waage so Einzustellen, dass eine Balance zwischen den beiden Extremen gefunden wird. Da der Drachen so vielseitig ist, zeigt sich die wahre Stärke der Waage, indem sie den Drachen in beide Extreme verändern kann. Da der Drachen dadurch ein größeres Spektrum an erreichbaren Zielen hat, ist es schwerer beim konstruieren der Waage den Richtigen Punkt innerhalb des Spektrums zu finden. Die Komplexität der Aktivwaage ist der Grund dafür, dass sich viele Drachenbauer das komplette Spektrum der Wirkungen einer Aktivwaage nicht zunutze machen können.

Die Bewegung des Waagepunktes nach innen oder außen wird von der Länge und Position des Stabilisators und der absoluten sowie relativen Spannung der Flugleinen bestimmt. Die absolute Spannung bezeichnet die durch den Wind entstehenden Druck auf beide Leinen, der sich verändert, wenn der Drachen durch das Windfenster fliegt oder auch in speziellen Fällen, wie bei einem Stall. Die relative Spannung bezieht sich auf den unterschiedlichen Zug der beiden Leinen, der entsteht, wenn der Drachen eine Kurve fliegt.

Um unser Ziel von maximaler Vielseitigkeit des Drachens zu erreichen, sollte die Waage so konstruiert werden, dass sich der Waagepunkt, wenn alle Waageschenkel unter spannung stehen, weit genung bewegt, damit die Eigenschaften des Drachens so weit wie nötig verändert werden.

Durch den Stabilisator kann sich der Waagepunkt, wenn die Waage unter Spannung ist, bewegen. Dies verursacht aber auch eine Empfindlichkeit, wodurch der Drachen bei Lenkbefehlen eventuell zu schnell von einem Extrem in das andere geht. Kleine Änderungen der absoluten oder relativen Spannung der Leinen können das Verhalten des Drachens stark verändern und den Drachen vielseitiger aber unberechenbarer machen. Dieser Effekt tritt vorallem bei Drachen auf, die sehr empfindlich reagieren.

Oft ist dieses Verhalten durchaus gewünscht. Der Outer Space zeigt dies bei mehreren ausgeprägten "Flugmodi":

  • Geradeausflug
    Mit gleichem und stabielen Druck auf beiden Leinen hat der Drachen eine gute Spurtreue wenn die Waagepunkte die innere Position erreicht haben.
  • Turn/Spin
    Wird der Druck an einer Leine erhöht, bewegt sich der Waagepunkt nach außen in eine Position, in der schnelle und gleichmäßige Spins möglich sind.
  • Stall
    In einem Stall kommt die Nase duch den fehlenden Druck nach vorne (was den effektiven Bereich im Wind verkleinert, wodurch der Stall stabieler wird) und die Waagepunkte werden nach außen und oben bewegt. Dadurch werden Stalls stabiel und kontrollierbar.
  • Fade
    In einem Fade Bewegen sich die Waagepunkte duch den fehlenden Druck weiter nach außen. Das hat zur Floge, dass die Waage die Leitkante weiter unten berührt. Dadurch hebt sich die Nase etwas und der Fade wird stabieler.

Weil der Drachen schnell von einem Modus in den anderen wechselt, kann der Pilot verschiedene Flugstile einfach und klar kombinieren. Für klassischen Präzisionsflug kann die Waage zu sensibel sein. Ein besserer Kompromiss könnte eine direktere Kontrolle vom Piloten sein um den Drachen zu beeinflussen. Dadurch ist der Drachen schwerer zu beeinflussen, in diesem Fall, dass der Pilot mehr für die Vielseitigkeit des Drachens tuen muss, aber der Drachen wird berechenbarer und er reagiert auf unsaubere Lenkbefehle oder schwankende Bedingungen (z.B. unkonstanter Wind) nicht zu sensibel.

Die 2-schenklige Aktivwaage (Dihedral Active Bridle)

Abb. 3
Abb. 4
Abb. 5
Abb. 6
Abb. 7
Abb. 8

Die 2-schenklige Aktivwaage wird hier als eine mögliche Lösung für die überempfindlichkeit der Aktivwaage vorgestellt. Anstatt einen Stabilisator in eine statische Waage einzufügen, wird ein zweiter Aktivator, der quer Aktivator, zwischen die unteren Waageschenkel eingefügt. Der andere Aktivator verbindet, wie bei der Standard-Aktivwaage, den inneren mit dem äußeren Waageschenkel. Der Quer-Aktivator wird in Abb. 3 rot dargestellt.

Man kann eine 2-schenkliche Aktivwaage, wie eine Standard-Aktivwaage, durch Modifikation einer statischen Waage konstruieren. Ein Aktivator kommt zwischen den oberen und inneren Waageschenkel (von der Standard-Aktivwaage einfach als Aktivator bekannt, aber besser als Anstell-Aktivator bezeichnet) und der Zweite zwischen die unteren Waageschenkel (der Quer-Aktivator). Die Waage muss nicht vom Drachen entfernt oder auseinandergenommen werden.

Der Quer-Aktivator hat den gleichen Effekt wie der Stabilisator, den Waagepunkt nach innen und außen zu bewegen wenn die Waage unter Zug ist, allerdings bietet er eine bessere Kontrolle der Bewegung in Weite und Richtung. Der Anstell-Aktivator funktioniert auf die gleiche Weise, er kontrolliert die Bewegung des Waagepunktes nach oben und unten.

In beiden Fällen, wenn der Aktivator gekürzt wird kann sich der Waagepunkt mehr bewegen, wird er verlängert bewegt er sich weniger. Dies ist in Abb. 4 zu sehen.

Der Abstand zwischen den Waageschenkeln wird kleiner, wenn der Aktivator vom Waagepunkt weg bewegt wird, was mehr Bewegung des Waagepunktes verursacht. Wird der Aktivator zum Waagepunkt hin bewegt wird die Bewegung eingeschränkt. Dies wird in Abb. 5 gezeigt.

Beachte, dass ein kürzen des Aktivators und das Verschieben vom Waagepunkt weg nicht genau die gleichen Answirkungen haben. Wenn sich der Waagepunkt bewegt rotiert er um einen Punkt in der Mitte des Aktivators. Je weiter der Aktivator vom Waagepunkt entfernt ist, desto größer ist der Rotationsradius. Dies sieht man in Abb. 6.

Ein Waagepunkt, der um einen Kreis mit kleinem Radius rotiert (Aktivator näher am Waagepunkt), ändert die Flugeigenschaften des Drachen schneller. Im Fall des quer Aktivators wird der Waagepunkt schneller von innen, beim geradeaus Flug, nach außen, bei Kurven, bewegt. Wird der quer Aktivator weiter weg von dem Waagepunkt positioniert, ist der Wechsel von der einen Position in die andere langsammer. Dadurch wird der Übergang weicher und der Drachen fliegt konstanter und stabieler.

Der anstell-Aktivator lässt im allgemeinen weniger Spielraum zum einstellen. Normalerweise wird er Lang gemacht und in einiger Entfernung vom Waagepunkt platziert. Er sollte genug Veränderung des Anstellwinkels zulassen, damit der Drachen eine konstante geschwindigkeit bekommt und Böen aufnimmt, aber nicht so viel, dass der Drachen übermaßig zu nicken beginnt.

Zusammenfassend kann man sagen: Die Länge des Aktivators, von der Position unabhängig, bestimmt wie weit die anliegenden Waageschenkel nach innen gezogen werden. Ein kürzerer Aktivator zieht die Waageschenkel mehr nach innen und verursacht eine größere Bewegung des Waagepunktes. Damit wird beeinflusst in welchem Grad sich die Eigenschaften des Drachens verändern. Die Position des Aktivators bestimmt die Auswirkung der Waagepunktbewegung. Ein Aktivator näher am Waagepunkt verursacht einen schnellen Wechsel der Flugeigenschaften als ein Aktivator mit größerem Abstand, der den gleichen Grad der Bewegung zulässt. Damit kann man kontrollieren wann die Aktivatoren in das Flugverhalten eingreifen.

Den Stabilisatorteil der Standard-Aktivwaage kann man sich als degenerierten Quer-Aktivator, der sehr nah am Waagepunkt positioniert wurde und eine Länge von null hat, vorstellen. Die anliegenden Waageschenkel liegen ab diesem degenerierten quer Aktivator sehr eng zusammen, sodass sie wie eine Einheit an den Waagepunkt führen. Aus der Zusammenfassung können wir schließen, dass ein sehr kurzer Aktivator (reale Länge von null), der die anliegenden Waageschenkel zusammenziehen bis sie sich treffen, verursacht ein deutliches Maß an Bewegung des Waagepunktes. Zudem ist er sehr nah am Waagepunkt positioniert, was zu einem kleinen Rotationsradius führt. Dies vergrößert die Auswirkungen der Waage und macht sie sehr empfindlich für kleine Änderungen der Leinenspannung.

Um die Überempfindlichkeit, die von diesem Aufbau verursacht wird, zu reduzieren, wird der quer Aktivator weiter vom Waagepunkt entfernt und verlängert bis er nahezu den gleichen Grad der Bewegung des Waagepunktes zulässt. Dies wird in Abb. 7 gezeigt. Obwohl der Waagepunkt die gleiche seitliche Bewegungsfreiheit hat, ist der Rotationsradius wesentlich größer. Der Drachen sollte die gleichen Eigenschaften von der Waage bekommen, aber der Wechsel zwischen den Waagepositionen wrd langsammer und fließender. Dadurch sollte ein Drachen entstehen, der so vielseitig aber nicht mehr so sensibel wie zuvor ist.

Befestigt man die Enden des Aktivators mit unterschiedlichen Abständen an den Waageschenkeln, winkeln wir ihn an und verursachen, dass sich der Waagepunkt weiter in die eine Richtung bewegt als in die andere. Der Waagepunkt richtet sich an der Seite aus, die näher am Aktiator ist.

Dieser Effekt kann beim anstell-Aktivator genutzt werden um den Drachen für verschiedene Windbedingungen einzustellen. Bewegt man das obere Ende des anstell Aktivators etwas näher an den Waagepunkt als das untere Ende, verschiebt sich der Waagepunkt etwas nach oben, dadurch fliegt der Drachen bei weniger Wind. Das obere Ende kann vom Waagepunkt weg bewegt werden, damit der Drachen eine bessere Performance im höeren Windbereich hat. Dies sieht man in Abb. 8.

Die gleichen Einstellungen kann man beim quer-Aktivator vornehmen, um den Waagepunkt weiter nach innen oder außen zu verschieben, was den Geradeauslauf oder das Drehverhalten verbessert. Der gleichen Effekt erzielt man bei der Standard-Aktivwaage, wenn man den Stabilisator auf den unteren Waageschenkeln nach innen oder außen verschiebt. Die 2-schenklige Aktivwaage macht dies einfacher und ermöglicht dies ohne die relative Länge der staatischen Waage, auf die aufgebaut wurde, zu beeinflussen.

Flugeigenschaften

Die 2-schenklige Aktivwaare hat viele Gemeinsamkeiten mit der standard Aktivwaage, vorallem gleichmäßigere Geschwindigkeit, höhere Spurtreue, weicheres Kurvenverhalten und bessere Freestyle- und Trickeigenschaften. Die 2-schenklige Aktivwaage reagiert weniger sensibel auf auf Lenkbefehle und bietet einen weicheren Übergang zwischen den verschiedenen Flugmodi. Eine empfindliche Waage kann gut sein, aber zu empfindlich kann genau so schlecht sein wie zu unempfindlich. Der größte Fortschritt der 2-schenkligen Aktvwaage gegenüber der standard Aktivwaage ist, dass die Empfindlichkeit der Waage einfach auf die Anforderungen des Piloten und Windes eingestellt werden kann.

Ein weiterer Vorteil der 2-schenkligen Aktivwaage sind die miteinander verspannten Aktivatoren, die die Waage in sich stabiler machen. Die Waage bleibt unter Spannung statischer als die standard Aktivwaage, wodurch sie direkter auf Lenkbefehle reagiert und ein direkteres Feedback zum Piloten gibt. Dies kann das Schwanken, das bei starkem Wind auftreten kann, und das Nachschwingen der Flügelspitzen bei engen Turns reduzieren.

Die Freestyle Eingenschaften werden, wie bei der standard Aktivwaage, sehr gut erweitert. Die weicheren Übergänge in und aus den Tricks machen es einfacher komplexe Freestyle Manöver zu fliegen und diese sauberer, fließender und kontrollierter durchzuführen. Besonders Multiple Axels, Flatspins und ähnliche Tricks gehen einfacher, da die Waage ständige Impulse zulässt ohne den Drachen wieder aufzurichten. Der Drachen tendiert dazu länger flach zu bleiben, auch wenn der Pilot Impulse gibt um den Drachen weiter zu drehen. Am Ende des Tricks sollte der Drachen einen weichen Übergang aus der flachen Bauchlage in den normalen Flug bieten.

Aktivwaagen sind so konstruiert, dass der Waagepunkt sich in einer bestimmten Art bewegen kann, in der ein Drachen normalerweise nie fliegen könnte. Diese extreme Bewegung unter bestimmten Bedingungen öffnet die Tür zu vielen neuen Tricks, die mit einer normalen, statischen Waage nicht möglich währen.

Bauen einer 2-schenkligen Aktivwaage

Abb. 9

Eine 2-schenklige Aktivwaage kann einfach durch Modifikation einer existierenden statischen Dreipunktwaage konstruiert werden. Die hier beschriebene Technik hat den Vorteil, dass die Waage einfach einzustellen ist und trotz der Aktivatoren wie zuvor die Dreipunktwaage eingestellt werden kann.

Die zwei Aktivatoren werden aus einfacher, nicht ummantelter Spectra bzw. Dyneema Schnur gamacht. Sie sollte eine Bruchlast von ca. 70 kg haben. Eine einfache Spectra Schnur wird benutzt, weil sie am besten in Verbindung mit ummantelter Waageschnur, die bei den meisten Drachen verwendet wird, arbeitet. Die Anknüpfpunkte des Aktivators sollten sich fest genug zusammen ziehen um ein Verrutschen zu verhindern, aber dennoch schnell und einfach verstellbar sein. Die Kombination von ummantelter Waageschnur und normalem Spectra erfüllt diese Anforderungen.

Die Aktivatoren bekommen einfache Überhandknoten als Stopperknoten an jedem Ende. Der Aktivator wird drei mal um den Waageschenkel gewichelt und wie mit einem normalen Rutschknoten befestigt (siehe Abb. 9). Jedes Ende eines Aktivators ist mit einem anderen Waageschenkel verbunden: der Quer-Aktivator mit den unteren Waageschenkeln, der Anstell-Aktivator mit dem oberen und inneren Waageschenkel.

Werden die Knoten zugezogen sollte der Aktivator an seiner Position auf dem Waageschenkel bleiben. Der Aktivator kann verschoben werden indem man ihn an dem Knoten hält und auf der Waageschnur verschiebt. Achte darauf, dass die Aktivatorknoten nach dem Einstellen wieder festgezogen sind um ein Verrutschen zu verhindern. Dazu einfach die Waageschenkel an beiden Enden eines Aktivators nehmen und auseinander ziehen um den Aktivator zu spannen.

Beispiel an einem Phantom Elite

Abb. 10
Abb. 11

Wir nehmen den Phantom Elite von Benson Kites als Beispiel eine Dreipunktwaage in eine 2-schenklige Aktivwaage umzubauen. Die standard statische Waage hat, am Drachen gemessen, ungefähr die Maße: oberer Schenkel 58,5cm, innerer Schenkel 65cm und äußerer Schenkel 67cm. Der Quer-Aktivator zieht die unteren Schenkel etwas zusammen und verschiebt damit den Waagepunkt etwas nach unten. Um dies zu kompensieren verschieben wir den Waagepunkt 2cm nach oben. Der äußere und obere Schenkel sind aus einem Stück Schnur, durch die Einstellung bekommen wir andere Längen der beiden Schnekel: ungefähr 56,5cm und 69cm.

Allgemein sollte der Anstell-Aktivator etwas kürzer sein als die Strecke zwischen den Waageschenkeln (etwa 75%). Als Faustregel kann man den Aktivator mittig am oberen Waageschenkel und am inneren Schenkel mit der gleichen Etfernung zum Waagepunkt platzieren.

Beim Phantom Elite wird der Anstell-Aktivator 30cm vom Waagepunkt an beiden Waageschenkeln befestigt. Der Abstand dieser zwei Punkt beträgt ca. 29cm, wenn die Waage unter Spannung steht. 75% dieser Länge sind ungefähr 22cm. Wir brauchen ca. 5cm für Knoten, daraus ergibt sich eine Gesamtlänge von 27cm. Mache einen Überhand-Stopperknoten in eine Spectraleine und einen zweiten in 27cm Entfernung zum ersten. Schneide die Schnur außerhalb der Knoten ab und schmelze sie mit einem Feuerzeug an.

Der Quer-Aktivator sollte zwischen den Stopperknoten mit angeschmolzenen Enden (angefertigt wie der Anstell-Aktivator) 11cm lang sein. Als Faustformel gilt: Der Quer-Aktivator sollte ungefähr halb so lang sein wie die Strecke zwischen den Punkten am unteren Schenkeln, an den an denen der Aktivator befestigt wird.

Beim Phantom Elite wählen wir den Punkt 9cm vom Waagepunkt entfernt. An dieser Stelle sind die Waageschenkel 12cm voneinander entfernt. Die Hälfte davon sind 6cm, zu denen wir noch 5cm für Knoten addieren. Das ergibt eine Gesamtlänge von 11cm.

Die Enden vom Quer-Aktivator werden am inneren und äußeren Waageschenkel, 9cm vom Waagepunkt etnfert, befestigt (zuerst verknoten, nachher einstellen). Der Anstell-Aktivator wird am oberen und inneren Waageschenkel, 30cm vom Waagepunkt entfernt, befestigt. Ziehe die Aktivatoren auseinander, damit die Knoten fest sitzen.

Der Drachen ist aktiviert!


Phantom Elite 2-schenklige Aktivwaage: Zusammenfassung

Die Tabelle zeigt eine Zusammenfassung der Längen von jedem Schenkel der 2-schenkligen Aktivwaage für den Phantom Elite.

Phantom Elite (Benson Kites)
2-schenklige Aktivwaage
Copyright © 1997-2006 Andy Wardley
Drachen Phantom Elite
Hersteller Benson Kites
Waagen Konstrukteur Andy Wardley
Waagen Version 1.0 (offiziell)
Statische Waage
(ummantelte Spectra Waageschnur)
Länge
(am Drachen gemessen)
oberer Schenkel 56,5
innerer Schenkel 65
äußerer Schenkel 69
Aktivatoren
(~75kg nicht ummanteltes Spectra)
Länge
(inkl. Knoten)
Abstand
(vom Waagepunkt)
Anstell-Aktivator (2x) 27 30
Cross Activator (2x) 11 9

Tunen einer 2-schenkligen Aktivwaage

Das Erste, was man nach dem Bau einer 2-schenkligen Aktivwaage machen muss, ist den Waagepunkt so zu verstellen, dass der Drachen richtig fliegt. Mit den Angaben für den Phantom Elite sollte der Waagepunkt in der ungefähr richtigen Position sein, es müssen nur kleine Änderungen gemacht werden. Da der Drachen durch eine Aktivwaage einen größeren Windbereich bekommt als mit einer statischen Waage, wird der Drachen auch mit einer nicht eingestellten Waage seinen normalen Windbereich abdecken. Ein Vorteil der 2-schenkligen Aktivwaage ist, dass der Waagepunkt nachträglich für verschiedene Windbedingungen oder auf persönliche Vorlieben eingestellt werden kann. Dies kann man mit den Aktivatorpositionen einstellen.

Die Einstellung des Waagepunktes wird wie bei einer statischen Waage gemacht. Bei einer statischen Waage besteht der obere und äußere Waageschenkel aus einem stück Schnur, in die der Waagepunkt eingeknüpft wird. Der innere Waageschenkel ist separat befestigt. Der Waagepunkt wird dann auf dem äußeren und oberen Schenkel verschoben.

Ein Drachen, bei dem der Waagepunkt zu weit unten ist, hat zu wenig Auftrieb, dreht schnell und dreht nach. In diesem Fall sollte der Waagepunkt nach oben verschoben werden. Ist der Waagepunkt zu hoch wird der Drachen sehr schnell, eventuell schießt er sogar aus dem Windfenster heraus. Man hat weniger Druck an den Leinen und der Drachen kann schwerer zu steuern sein. In diesem Fall sollte der Waagepunkt nach unten geschoben werden.

Beim Einstellen des Waagepunktes wird die Länge vom äußeren und inneren Waageschenkel verändert. Nach jeder Einstellung muss der Aktivator auf die ursprüngliche Position verschoben werden. Einfach die Aktivatorknoten auf dem Waageschenkel verschieben und wieder festziehen.

Wenn der Waagepunkt in der richtigen Position ist können die Aktivatoren eingestellt werden. Die für den Phantom Elite gegebenen Maße geben der Waage ein "aktivierten Efferkt", der nicht zu extrem ist. Diese Konfiguration erlaubt es verschiedene Aktivator Positionen auszuprobieren.

Der Anstell-Aktivator kontrolliert den Anstellwinkel vom Drachen. Wird er weiter vom Waagepunkt weg bewegt kann sich die Nase des Drachens mehr bewegen. Wird er zum Waagepunkt hin bewegt lässt dieser Effekt nach. Steht der Aktivator nicht mehr unter Spannung ist dieser Effekt nicht mehr vorhanden. Zu viel Bewegung verursacht ein Nicken.

Der Anstell-Aktivator kann auch einseitig verschoben werden um die Performance bei wenig oder viel Wind zu verbessern ohne den Waagepunkt zu verstellen. Bewegt man den Aktivator auf dem oberen Waageschenkel zum Waagepunkt verbessert man die Leichtwindfähigkeit indem der Waagepunkt etwas nach oben verschoben wird. Bewegt man ihn vom Waagepunkt weg verschiebt sich der Waagepunkt etwas nach unten für gute Performance bei viel Wind. Eine typische Einstellung kann sein, dass man den oberen Knoten ein paar Zentimerer (z.B. 2-5cm) in eine Richtungen verschiebt.

Der Quer-Aktivator verursacht die seitliche Bewegung des Waagepunktes. Verschiebt man den Aktivator zum Waagepunkt hin wird dieser Effekt reduziert, bewegt man ihn vom Waagepunkt weg wird der Effekt verstärkt. Zu viel Bewegung in diese Richtung kann extreme Drehungen verursachen oder den Waagepunkt so weit nach außen verschieben, dass der Drachen washes out. In diesem Fall sollte der Aktivator zum Waagepunkt verschoben werden. Ist der Aktivator an der richtigen Position sollte der Drachen eine gute Spurtreue haben und trotzdem einfach drehen. Abhängig vom Drachen ist auch eine Verbesserung in Stalls zu bemerken, indem sich die Waagepunkte nach außen verschieben und den Drachen stabilisieren, und ein weicherer Übergang in Tricks und aus ihnen heraus.

Denke daran, dass der Waagepunkt etwas nach unten verschoben wird wenn man den Quer-Aktivator vom Waagepunkt weg schiebt. Der Waagepunkt muss bei größeren Änderungen am Quer-Aktivator leicht nachjustiert werden.

Der beste Tipp für diejenigen, die die 2-schenklige Aktivwaage vollkommen verstehen wollen, ist selber zu experimentieren. Mit dieser Bauweise ist es möglich die Aktivatoren so weit zum Waagepunkt zu schieben bis sie keine Auswirkungen mehr haben um sie schrittweise einzeln zu verwenden und die daraus resultierenden Eigenschaften zu beobachten. Allerdings muss man beachten, dass die Aktivatoren zusammen arbeiten und somit Eigenschaften verursachen, die sich nicht auf einen Aktivator zurückführen lassen. Deswegen ist es nicht möglich die Waage vollständig auf diese Weise zu verstehen, aber man bekommt ein grundlegendes Verständnis welchen Effekt die Aktivatoren haben und wie sie kombiniert werden können um die gewünschten Eigenschaften zu erzielen.

Quelle:

Erlaubnis zur Veröffentlichung im DraWi