Tips zur Auswahl einer geeigneten Nähmaschine

Aus DraWi
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aus Hoch Hinaus 1985-4

Von Axel G. Voss

Dem Bau von Drachen aus Spinakernylon steht neben dem Erwerb der Nähfägigkeiten auch der Kauf einer geeigneten Nähmaschine mehr oder weniger breitbeinig im Wege.

Für die jenigen von Euch, die es leid sind mit der Ehefrau oder der Tochter um die Benutzungserlaubnis der Familiennähmaschine einen Kleinkrieg zu führen, und die an die die Anschaffung einer Nähmaschine für die Drachenwerkstatt denken, möchte ich meine eigenen Erfahrungen in Sachen Nähmaschine weitergeben.

Natürlich hängt die ganze Sache stark vom Geldbeutel ab. Gute Nähmaschinen sind leider relativ teuer. Aber mit bedächtigem und überlegtem Vorgehen läßt sich die dazu erforderliche Investition in einen erträglichen Rahmen drücken.

Grundsätzlich sind Nähmaschinen, die nur eine Stichart, nämlich den Geradeausstich haben, besser als solche, die neben Zickzackstich auch noch über eine Menge anderer Nutzstichprogramme verfügen, letzteres trifft in erster Linie für die Haushaltsnähmaschinen zu.

Eine Maschine, die nur geradeaus näht, arbeitet zwangsläufig präziser, weil sie weniger bewegliche Teile hat. Außerdem ist sie billiger. Ich kenne keinen Drachentyp, bei dem ein Zickzackstich sinnvoll und notwendig ist.

Ideal für unsere Zwecke sind Industrienähmaschinen. Neue Industrienähmaschinen sind jedoch sehr sehr teuer. Jedoch kann man Industrienähmaschinen günstig gebraucht kaufen. Schaut ins Branchenfernsprechbuch. Ihr werdet sicherlich eine Menge Händler von gebrauchten Industrienähmaschinen finden. Für eine gebrauchte Industrienähmaschine muß man zwischen DM 500,— und DM 2.000,— anlegen, je nach Alter und Typ. Gute Gebrauchtmaschinen für unseren Zweck sind durchaus für DM 50O,— bis DM 900,— zu haben. Und wenn der Schneider aus der Nachbarschaft den dunklen Anzug angezogen hat, um zum Konkursrichter zu gehen, kann man eine gute Industriemaschine auch schon mal für DM 200,— bis DM 300,— erwerben.

Beim Kauf einer Industrienähmaschine sollte man auf folgende Punkte achten:

  • gibt es noch Ersatzteile? Einige namhafte Hersteller gibt es nämlich nicht mehr.
  • Maschinen mit rotierendem Greifer sind besser als solche mit pendeldem Greifer.
  • für die Maschine sollten verschiedene Transporteure für unterschiedlich glatte bzw. rauhe Stoffe als Zubehör verfügbar sein,

Fast alle Industrienähmaschinen sind mit vielen kleinen Hilfen ausgestattet, die ein flottes Arbeiten gewährleisten. So wird zum Beispiel beim Nähen automatisch eine neue Spule mit Unterfaden gewickelt. Welcher Drachenbauer kennt nicht diese Situation: Auf den letzten 10 cm einer durchgehenden Naht ist kein Faden mehr auf der Spule des Unterfadens.  !!! Bei einer Industriemaschine sind es zwei Handgriffe und man kann weiter arbeiten. Viele Industriemaschinen haben zudem zwei Fadenspanner für den Oberfaden. Ein Vorteil, wenn man sich mit Frau oder Tochter einigt, wer welchen Fadenspanner benutzt. Wenn Tochter oder Frau genäht haben, braucht man nicht erst mühseelig wieder die richtige Fadenspannung zu suchen.

Wie gesagt, Nähmaschinen aus der Industrie haben viele Vorteile, allerdings auch ihren Preis.

Aber es gibt ja auch noch die Haushaltsnähmaschinen. Auch hier ist es kein Problem gut DM 2000,— loszuwerden. Allerdings nur sinnvoll für Leute, die dutzende von programmierten Zierstichen brauchen. Drachenbauer sind mit dem anspruchlosen Modell mit Geradeausstich und Zickzackstich bestens bedient. Der Zickzackstich ist - wie erwähnt - sogar unnötig, jedoch kennt der Verfasser dieses Artikels keine elektrische Haushaltsnähmaschine, die nur geradeaus näht. Für circa DM 300,— kann man eine anständige Neumaschine erwerben. Gebrauchte Haushaltsmaschinen gibt es auch. Ein Gang zum Händler lohnt sich, denn oft muß er Gebrauchtmaschinen in Zahlung nehmen. Auch hier sollte man darauf achten, daß die Ersatzteilversorgung gewährleistet ist. Bei bedeutenden Herstellern wie etwa Singer oder auch Pfaff sind sicherlich weniger Probleme zu erwarten. Wunder allerdings auch nicht. Eine Haushaltsnähmaschine ist nicht konstruiert worden um Verstärkungen aus 8-fachem Spinnakernylon mit einer Zusatzschicht aus Dacron zu nähen.

Einen Nähmaschinentyp möchte ich hier nicht vergessen. Ich meine die gute alte handbetriebene, von mir aus auch tretangetriebene Haushaltsnähmaschine mit Geradeausstich. Diese alten Geräte, aus schwerem Gußeisen gefertigt, übertreffen in Stichpräzision jede moderne elektrische Haushaltsmaschine. Ein großer Vorteil ist es, daß man extrem langsam nähen kann, ist die Hand doch viel feinfühliger als ein Elektromotor samt Anlasser. Allerdings ist das Nähen mit so einem Vehikel ziemlich zeitraubend Wer jedoch vorwiegend kleinere Drachen näht, bzw. wer viel Zeit hat, für den ist so eine Maschine mit Hand/Fußantrieb das Richtige. Die Dinger kann man für circa DM 50,— bis 100,— auf Flohmärkten und in Antiquitätengeschäften erwerben. Mit den Ersatzteilen ist es allerdings so eine Sache...... Allerdings ist bei meiner Maschine mit Handantrieb bislang noch nichts kaputt gegangen. Und das Ding hat mehr als 50 Jahre auf dem Buckel.

Wer noch Fragen zum Thema Nähmaschine hat, bitte Brief an die Redaktion. Es wäre schön wenn Ihr einen adressierten Freiumschlag beifügen würdet.