Edo Kaku

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Traditioneller Edo Kaku-Dako von Teizo Hashimoto
Moderner Edo Kaku-Dako
Typisches Gestänge eines Edo Kaku Drachen mit 14 Waagepunkten

Edo Kaku-Dako (kaku-dako: japanisch für rechteckiger Drachen) ist der bekannteste Drachen aus der Region Edo (heute Tokyo). Traditionell werden auf ihm bekannte Samurai und Kabuki-Schauspieler in sehr farbenfrohen Gemälden dargestellt.

Der Edo Kaku-Dako ist heutzutage der bekannteste der Edo Drachen und wird oft einfach als Edo bezeichnet.

Geschichte

Rechteckige Drachen wurden in vielen Regionen Japans in teilweise sehr unterschiedlicher Bauweise entwickelt. Die für den Edo Kaku typische Bauweise kam jedoch erst nach dem Entstehen des feudalen Tokugawa Shogunats, das ab 1603 das Machtzentrum Japans darstellte und seinen Sitz in Edo (heute Tokyo) hatte, auf. Dieser Zeitpunkt markiert den Anfang einer fast 260 Jahre andauernden Friedensperiode, in der das feudale Herrschaftssystem viele strukturelle Umbrüche hervorrief und schon bald dafür sorgte, daß die Feudalherren - meist ehemalige Samurai - keine nennenswerten militärischen Aufgaben mehr hatten. Als Folge davon widmeten sie sich mehr und mehr gesellschaftlichen und kulturellen Dingen. Einige begannen, entweder selbst oder als Auftraggeber, Drachen als herrschaftliches Statussymbol und Zeitvertreib zu bauen. In dieser Zeit entstand auch nach und nach die typische Segeldekoration des Edo Kaku.

Entwicklung der Segeldekoration

Anfangs waren die Segel der Edo Kaku meist mit dem Familienwappen der Erbauer oder einfachen Silben der japanischen Schriftsprache dekoriert. Diese Drachen werden ji-dako (japanisch für Buchstabendrachen) genannt. Nach und nach entwickelten sich aber sehr farbenfroh dekorierte Drachen, die Samurai oder Kabuki-Schauspieler darstellten. Von Zeit zu Zeit kam es aber auch durchaus vor, daß die feudale Führung allzu reich dekorierte Drachen verbot, so daß wieder einfachere mit Kanji- oder kana-Symbolen dekorierte Drachen phasenweise dominierten.

Ukiyo-e

Ukiyo-e sind in Japan sehr populäre Bilder, die meist zwei oder mehrere berühmte Krieger (meist Samurai) in bekannten Situationen (z.B. besonderen Schlachten) darstellen. Ukiyo-e wurden relativ schnell für Edo Kaku Drachen adaptiert. Allerdings ergab sich im Laufe der Zeit speziell auf Edo Drachen eine Besonderheit: Ukiyo-e zeigen normalerweise immer mehre Figuren, die in einer Beziehung zueinander stehen (z.B. gegeneinander oder miteinander kämpfend). Auf Edo Kaku wandelten sich die Darstellungen im Laufe der Zeit so, daß die Gesichter der Figuren das Bild immer mehr dominierten, bis letztlich sogar nur noch eine Figur dargestellt wurde.

Finale Entwicklung

Es dauerte etwa ein Jahrhundert bis der Edo Kaku seine endgültige Form in Hinblick auf die Bauweise und seine Dekoration erreicht hatte. Wichtigstes Merkmal der endgültigen Form ist neben der heute sehr weit verbreiteten Version mit langer Waage ohne Schwänze die Eigenschaft daß er unbeaufsichtigt fliegen kann. - Edo Drachen wurden zur Zeit der Shogunate durchaus tagelang als Zeichen der Anwesenheit des Feudalherrn in den Himmel gestellt.

Varianten

Edo Kaku können grundsätzlich eine beliebige Größe haben, solange sie dem typischen Seitenverhältnis entsprechen. Zusätzlich gibt es für verschiedene Größen auch unterschiedliche Bestabungsvarianten.

Neben der heute sehr häufig anzutreffenden Variante mit sehr langer Waage, gibt es auch Varianten mit kurzer Waage und zwei langen Schwänzen, die in der frühen Entwicklungsgeschichte des Edo Kaku recht weit verbreitet waren.

Optional kann ein Edo Kaku auch mit einem Unari (Summer) ausgestattet werden.

Aufbau

Das Segel hat ein Seitenverhältnis zwischen 60:40 und 70:30 und besteht traditionell aus Washi-Papier, bei modernen Varianten findet auch Spinnaker-Nylon Verwendung.

Das Gestänge ist abhängig von der Größe mitunter filigran und besteht traditionell aus Bambus. In modernen Varianten findet man auch Glasfaser- oder Kohlefaserstäbe. Die einzelnen Stäbe sind horizontal und vertikal angeordnet, wobei der rechte und linke Rand des Segels nicht bestabt ist, wohl aber der obere und, abhängig von der Gestängevariante, auch der untere. Zusätzlich sorgen zwei Diagonalstäbe, die kreuzweise die gegenüber liegenden Ecken des Segels verbinden, für Stabilität.

Typisch ist auch die sehr lange Waage deren Länge etwa das 15- bis 20-fache der Drachenhöhe beträgt. Seltener findet auch eine kurze Waage Anwendung, die etwa 1,5 bis 3 mal länger als der Drachen hoch ist. Traditionell wird die kurze Waage mit zwei langen Schwänzen an den unteren beiden Ecken des Drachen kombiniert - was aber eher optische Gründe hat.

Flugverhalten

Edo Kaku haben allgemein einen sehr stabilen Flug - auch bei unruhigen Windverhältnissen. Das setzt allerdings voraus, daß die Wölbung des Segels richtig eingestellt ist.

Ist das Segel ausreichend stark gewölbt, zeigt der Drachen erfreulich wenig Neigung zum Ausbrechen und tariert Böen souverän aus. Hierbei macht es keinen nennenswerten Unterschied, ob der Drachen mit langer oder kurzer Waage geflogen wird.

Die Waage wird meistens so eingestellt, daß der Flugwinkel eher flach (45 bis 55 Grad) ist, was einen recht hohen Zug auf die Flugleine bewirkt. Durch andere Waageeinstellung ist aber auch ein etwas steilerer Flugwinkel möglich.

Edo Kaku haben von den japanischen Drachen den größten Windbereich. Typischerweise reicht er von knapp unter 2 Bft bis 5 Bft. Wird der Drachen mit einem verstärkten Gestänge geflogen, verschiebt sich der Windbereich hin zu höheren Windgeschwindigkeiten.

Bilder

Bauplan

Siehe auch

Web Links