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Infos für Einsteiger Lenkdrachen/ Zweileiner


Immer wieder taucht auf Drachenfesten und bei ähnlichen Gelegenheiten, bei denen Drachenpiloten mit interessierten Laien zusammentreffen, aber auch und gerade in der Newsgroup de.rec.drachen die Frage nach idealen Einsteigerdrachen auf. Die kurzen Infos auf dieser Seite sollen dazu dienen, einen kleinen Einstieg in die Welt der zweileinigen Lenkdrachen und damit ein wundervolles Hobby zu geben. Denn oft genug wird es Einsteigern aufgrund falscher Beratung oder schlechter Drachen schwer gemacht, die besondere Faszination von Drachen an ein, zwei oder mehr Leinen zu entdecken, und nicht selten scheitert die Leidenschaft schon nach wenigen frustrierenden Versuchen.

Keinesfalls ist hier um eine vollständige Marktübersicht angestrebt, im Gegenteil sind hier lediglich jene Drachen namentlich erwähnt, mit denen der Autor selbst Erfahrungen gesammelt hat. Sofern sich seitens erfahrener Piloten Anregungen und Ergänzungsvorschläge ergeben, bin ich gerne bereit, diese einfließen zu lassen.


Wo gibt´s die richtige Beratung?

Die meisten besseren Drachenläden sind immer bereit, Anfängern wichtige Tipps und Hinweise zu geben und können bei sachkundiger Beratung Flops und Enttäuschungen vermeiden helfen. Außerdem haben Drachenläden zumeist mehrere unterschiedliche Einsteigerdrachen im Sortiment, so dass die Entscheidung auch nach optischen Kriterien leichter fällt. Hinzu kommt, dass die meisten Händler sehr günstig und schnell Reparaturen an Drachen vornehmen können, da die meisten Verschleißteile und notfalls eine Nähmaschine sowie Reparaturmaterial dort vorrätig sind.

Was ist von Drachenshops im Web zu halten? Wenn kein Drachenladen in der Nähe zu kriegen ist, kann das Web gute Dienste leisten. Die Beratung gestaltet sich logischerweise ein wenig kompliziert und zeitaufwendig (sofern man nicht mal das gute alte Telefon bemüht), und auch die schnelle Service-Reparatur ist nicht ganz einfach; gute virtuelle Drachenhändler liefern aber auch kleine Ersatzteile und die Einbauanweisung dazu.

Einige Drachenhändler im Web: Chill-Out: http://www.chill-out.org Hammers Drachenversand: http://www.the-difference.de Pegasus Drachen: http://www.drachenshop.de Kites& Co : http://www.lenkdrachen.de Eine größere Übersicht über kommerzielle Webanbieter bietet Michael Stegherr:

„Aldi-Drachen“ – Ja oder nein?

Viele Menschen finden einen Einstieg zum Drachensport über die günstigen Kaufhausdrachen, die insbesondere von den Firmen „Aldi“, Tschibo“, „Lidl“ oder ähnlichen Anbietern verkauft werden. Diese günstig in Fernost produzierten Drachen werden in der Szene etwas abfällig als „Aldi-Drachen“ verallgemeinert, indem sie zumeist hinsichtlich Flugfähigkeit, Belastbarkeit und auch mit Blick auf die Flugeigenschaften bei weitem nicht mit den teureren Modellen der professionellen Drachenindustrie standhalten können. Tatsächlich sind diese Drachen auch im Grunde nur bedingt für Einsteiger geeignet, da sie vergleichsweise schwer und nur in einem eingeschränkten Windbereich geflogen werden können. Da sie nicht leicht zu beherrschen sind, kommen öfters Abstürze vor, die die Lebenszeit des Drachen schnell verkürzen und somit dem neuen Hobby ein schnelles Ende bereiten können. – Oft sind die Drachen zerstört, bevor der Pilot überhaupt einen Eindruck vom Reiz des Fliegens mitbekommen hat. Sofern man sich über diese Einschränkungen klar ist, kann ein solcher „Billig-Drache“ (zumal mit etwas veränderten Waageeinstellungen) aber eben aufgrund der geringen Anschaffungskosten durchaus ein guter Einstieg sein. Jemand, der allerdings von einem Aldi-Drachen auf ein „richtiges“ Einsteigermodell umsteigt, wird sofort den deutlichen Unterschied spüren.

Übrigens ist der Übergang zwischen „Billig-Drachen“ und den „guten“ Drachen überaus fließend, und engagieren sich einige Hersteller wie etwa Günther, Wepa und Eolo-Gayla mit wechselndem Erfolg in dieser Grauzone. (Seitenanfang)

Von welchen Herstellern bekomme ich garantiert einen guten Einsteigerdrachen? Natürlich lässt sich diese Frage nicht objektiv und sicher beantworten; immerhin gibt´s jede Menge Anbieter von Drachen, und die Globalisierung tut ein übriges, so daß der Einsteiger theoretisch die Wahl zwischen hunderten Modellen von mindestens 30-40 Herstellern hat. Auch einige Hersteller billigerer Drachen haben als Flaggschiffe bessere Drachen im Sortiment. Die folgende Auswahl von meines Erachtens zuverlässigen Herstellern mit hoher Produktqualität ist entsprechend willkürlich. Zumindest für den deutschen Markt haben diese Hersteller (so weit ich das beurteilen kann) auch die Bedeutung von Marktführern. Invento-HQ: http://www.invento-hq.com Elliot/ Gebrüder Wanders: http://www.elliot.de Level One (im Aufbau) http://www.level-one.de Weitere Anbieter führt ebenfalls Michael Stegherr auf.

Was kosten „richtige“ Drachen?

Wie überall im Leben sind die Preisspannen erheblich und hängen von der Verarbeitungsqualität, der Größe des Drachen, dem verwendeten Stabmaterial und nicht zuletzt dem Drachentyp ab. Einsteigerdrachen beginnen bei Preisen von rund 100,- bis 160,- DM, etwas bessere Typen, die auch dem fortgeschrittenen Piloten noch Spaß machen, gehen bis rund 300,- DM, ab diesem Bereich beginnen spezielle Drachen mit besonderen Flugeigenschaften. Unter 100,- DM gibt es kleine „Indoor“- oder Minidrachen, die allerdings aufgrund ihrer Flugeigenschaften nicht für Einsteiger geeignet sind. Wichtig bei der Kalkulation des ersten Drachen ist, die Kosten für die Leinen und eventuell die Griffe im Augen zu behalten. Gute Drachen nützen wenig, wenn sie an billigen Leinen geflogen werden, deswegen ein kurzer Exkurs:

Die richtigen Schnüre und Griffe

Im allgemeinen verwendet man für Lenkdrachen Schnüre aus Dyneema, die wegen ihrer mangelnden Elastizität unmittelbare Lenkbefehle erlauben und wegen ihrer glatten Oberfläche auch viele Verdrehungen der Schnüre mitmachen – beides ist für einen schönen, kontrollierten Drachenflug sehr wichtig. Ein wichtiges Kriterium der Schnur ist ihre Belastbarkeit im Verhältnis zu ihrem Gewicht. Wie belastbar eine Schnur sein muss, hängt natürlich von der Art und Größe des verwendeten Drachen ab. Für die meisten Einsteigerdrachen sind je nach Typ und Windstärke Schnüre von 45- 90 kp (die Belastbarkeit der Schnüre wird in Kilopont [Ergänzung von Jochen Müller: bzw. in DaN (DekaNewton), ist ungefähr dasselbe wie kp] angegeben) zu empfehlen. Eine hohe Belastbarkeit hat den Vorteil eines grösseren Einsatzspektrums, aber den Nachteil des höheren Eigengewichts. Wenn die Leinen im Flug durchhängen (wie dies of bei „Aldi-Drachen“ zu sehen ist), bedeutet dies, dass die Schnur zu schwer ist. Schnüre werden Einsteigern oft auf Ringen geliefert, was recht praktisch ist, weil sich so mit unterschiedlichen Schnurlängen experimentieren lässt. Der Nachteil solcher Ringe, die zugleich als Griff verwendet werden, liegt in einer mangelnden Handhabbarkeit. Idealer sind Schlaufen oder „Claws“, die allerdings nur mit einer festen Schnurlänge geflogen werden können.

Manche Hersteller bieten RTF-Sets an, soll heißen „Ready-to-fly“ und bedeutet, dass die Schnüre samt Griffen im Lieferumfang enthalten sind. Man sollte sich trotzdem, um eine ungefähre Vorstellung von der Wertigkeit des Drachen zu bekommen, den Preis mal ohne Schnüre ausrechnen. (Seitenanfang)

Welche Lenkdrachentypen gibt es?

Man unterscheidet bei den Zweileinern prinzipiell zwischen verschiedenen Drachentypen mit unterschiedlichen Einsatzbereichen. Gute Einsteigerdrachen zeichnen sich dadurch aus, dass Sie alle Einsatzmöglichkeiten berücksichtigen, aber keiner den Vorzug geben. Andererseits führt dies natürlich dazu, dass auch keine Eigenschaft so markant vertreten ist, dass man den Drachen später, wenn die Ansprüche wachsen, noch sinnvoll dafür verwenden könnte oder wollte. Andererseits können die unten stehenden Kategorien auch nur grobe Anhaltpunkte geben, und zeichnen sich wie so oft gerade sehr gute Drachen dadurch aus, dass sie nicht eindeutig in eine Kategorie einzuordnen sind. Deswegen spricht man bei der Klassifizierung von Drachen auch oft in übergreifenden Kategorien, etwa von „trickfähigen Präzisionsdrachen“ oder „Präzisionsdrachen mit hohem Trickpotential“, wenn nicht gleich von einem „powervollen Trickser, der bei aller Präzision gute Freestyle-Qualitäten“ hat.

Insbesondere Trick- und Präzisionsdrachen werden darüber hinaus oft in drei oder manchmal vier verschiedenen Varianten für verschiedene Windbereiche angeboten, als „UL“ für Ultralight (bzw. SUL für Super-Ultralight), in der Standard-Version und als „Vented“ (mit Gazeeinlagen für stärkere Winde). Die UL Versionen sind aufgrund des teuren Spezialgestänges und –segeltuchs meist um ca. 30 % teurer als die Standard- und Vented-Versionen.

Trickdrachen

Trickdrachen sind so konstruiert, dass sie viele der heutzutage üblichen Tricks, wie etwa Drehungen in sämtliche Richtungen, abrupte Haltebewegungen oder Gleiten in unterschiedlichen Lagen beherrschen. Sie verfügen meist über eine spezielle Waage. Trickdrachen sind am ehesten für Einsteiger geeignet, indem sie ein weites Spektrum der Einsatzmöglichkeiten verfügen und der Anfänger mit zunehmenden Fähigkeiten immer wieder neue Seiten seines Drachens entdecken kann. Solche guten Trickdrachen sind zum Beispiel der Jam Session (HQ), Black Jack oder High Level (Level One) oder auch AVIV (Eliot).

Präzisionsdrachen

Präzisionsdrachen bestechen durch einen sehr ruhigen und gleichmäßigen Flug sowie die dadurch gegebene Möglichkeit, scharfe „Ecken“ oder schnurgerade Geradeausstrecken zu fliegen. Solche Drachen werden bevorzugt im Teamflug (also mit 1-3 Partnern) eingesetzt. Bekannte Präzisionsdrachen sind zum Beispiel der Tramontana (HQ), X-Act (Logo Kites) oder auch der La Luna (Eliot)

Powerdrachen

Unschwer vom Namen her zu erahnen, dienen Powerdrachen eigentlich nur dazu, den Piloten über den Acker zu schleifen – oder ihn mit großem Kraftaufwand dazu zu bringen, das zu vermeiden. Powerdrachen haben meist keine hervorstechenden Flugeigenschaften, sondern erzeugen aufgrund eines besonderen Segelschnitts oder entsprechend vergrößerter Segelfläche entsprechenden Zug. Ausgesprochene Powerdrachen sind sämtliche größeren stablosen Drachen (Nasawings, Matten...). Obwohl Powerkiting gerade auf Einsteiger oft einen großen Reiz ausübt, ist dieser Sport nicht ganz ungefährlich für den Piloten und die Zuschauer. Man sollte entsprechend niemals einen Powerdrachen fliegen, wenn man die wirkenden Kräfte nicht schon von anderen Drachen her kennt, eine ausreichend große und von Publikum freie Fläche zu Verfügung hat oder nicht wenigstens von einem erfahrenen Piloten angeleitet wird.

Speeddrachen

Früher waren Speeddrachen recht beliebt, inzwischen sind die kleinen, wendigen Drachen wie etwa der Bat-Kite (HQ) ein wenig aus der Mode gekommen. Mit der „Black Widow“ hat HQ wieder ein solches Teil auf den Markt gebracht. Logischerweise gehört ein gutes Reaktionsvermögen dazu, diese Teile zu beherrschen und nicht nach dem 12. Loop in den Boden zu rammen.

Freestyler-Drachen

"Freestyle“ ist die etwas beschönigende Bezeichnung für auch als „Trash-Drachen“ bekannte Drachen, die so ziemlich alles machen, wenn auch nichts richtig. Diese bei vielen Piloten sehr beliebten Drachen verfügen über ein gewaltiges Trick-Potential, das oft auch unvermutet für den Piloten ausgeführt wird. Einsteiger haben damit oft sehr schnell Erfolgserlebnisse, andererseits ist gängige Meinung, dass sich damit das gute Tricksen nicht erlernen lässt. Bekannte Freestyler sind der „Box of Tricks“, der Psycho (Flexifoil), Tohuwabohu (Active People) oder der „Alien“ (Prism) (Seitenanfang)

Woran erkennt man einen guten Einsteiger-Drachen?

Ein paar Aspekte mögen bei der Wahl des richtigen Einsteiger-Drachen helfen. Übrigens werden die allermeisten gängigen Industriedrachen der oben genannten Firmen die hier beschriebenen Details allesamt für sich entscheiden. Insgesamt ist auf eine robuste Ausführung zu achten. Der Drachen sollte „gut in der Hand“ liegen und nicht den Eindruck erwecken, „wabbelig“ zu sein. Der Drachen sollte darüber hinaus nicht zu klein sein, was sich im allgemeinen in radikaleren Flugeigenschaften und damit schwererer Kontrollierbarkeit bemerkbar macht. Er sollte auch nicht zu groß sein, um nicht von unvermutet auftretenden Kräften irritiert zu werden. Obwohl es einsteigerfreundliche Drachen gibt, die diese Maße unterschreiten (zB Speedwings...) oder übertreffen (zB Jam Session), liegt die ideale Spannweite von Einsteigerdrachen zwischen 130 – 170 cm.

Gestänge:

Die Stäbe sollten aus CFK (Kohlenfaser und nicht etwa GFK – Glasfaser) bestehen und einen stabilen Eindruck machen; zumal die Querstreben sollten (je nach Drachentyp) einen Durchmesser von 6 oder 8 mm haben. Es gibt auch gute Einsteigerdrachen mit einem Gestänge von 5 oder 5,5 mm, der Nachteil ist allerdings, dass dieses Gestänge unter Umständen nicht in jedem Drachenladen immer erhältlich ist und eventuell erst im Falle eines (über früh oder spät sicherlich zu erwartenden) Schadens bestellt werden muss. Auch die Verbinder, also die Übergänge des Gestänges am Mittelkreuz und den Flügelseiten (die sogenannte „Leitkante“), sollten einen soliden, aber nicht allzu harten Eindruck machen. Ein guter Test ist es, einen Stab tief einzuschieben und wieder herauszuziehen; dies sollte jeweils mit mittlerem Kraftaufwand ohne große Anstrengung möglich sein (Achtung: bei manchen Drachen mit tiefem Segelprofil stecken die Stäbe sehr locker in den Leitkantenverbindern, und in diesem Fall ist dies auch richtig so). Es ist nicht gut, wenn bei diesem Trockentest bereits großer Kraftaufwand beim Herausziehen nötig ist, indem davon auszugehen ist, dass das Gestänge nach einem längeren Flug noch schwerer zu lösen ist. Dabei besteht dann die Gefahr, dass in der Folge eines ruckartigen Lösens des Gestänges das Segel beschädigt wird. Unbedingt sollte sowohl auf den Verbindern als auch auf den Stäben ein Herstellername erkennbar sein. (Seitenanfang)

Segeltuch:

Für den Laien ist nicht leicht erkennbar, ob ein gutes oder minderwertiges Segeltuch verwendet wurde. Einen Anhaltspunkt bietet immerhin die Verarbeitungsqualität des Segels: Macht der Nahtverlauf einen sauberen Eindruck? Gibt es offene Nähte? Liegt der Knoten zwischen Ober- und Unterfaden im Tuch oder ist er aus der Tuchmitte verschoben? Natürlich sollte das Tuch selbst frei von Webfehlern sein und zB keine Unregelmäßigkeiten in den Kettfäden aufweisen. Sehr wichtig ist die Verarbeitung und Konstruktion der Schleppkante (die untere Segelkante). Ist diese im aufgebauten Zustand (also mit den Standoffs – Abstandhalter zwischen Querstreben und Segeltuch) nicht straff, kann es sein, dass der Drachen sehr geräuschvoll fliegt – was von den meisten anderen Menschen (und vor allem von erfahreneren Piloten!) meistens als unangenehm empfunden wird. Wenn die Schleppkante nicht straff ist, sollte sie entweder mit einer innenliegenden Saumschnur versehen sein oder sollten an den Flügelspitzen kleine Täschchen angebracht sein, die das Segel im Flug straffen.

Sensible Stellen

Die Spitze: Für Einsteiger ist die empfindlichste Stelle des Drachen die Spitze (oder „Nase“), indem die meisten Abstürze mit einem Aufschlag dort enden. Entsprechend sollte auf die Verarbeitung dort besonderer Wert gelegt werden. Eine Verstärkung mit Gurtband ist in diesem Bereich ebenso ein Muss wie eine gute Abfederung des Mittelstabes in der Spitze durch eine Gummikappe. Bessere Einsteigerdrachen verfügen am unteren Ende des Mittelstabes (also unter dem Mittelkreuz) über einen selbstlösenden Klettbandverschluß, der sich im Falle eines harten Aufschlages öffnet und damit die Gefahr eines Stangenbruches mildert.

Mittelkreuz: Ebenfalls gefährdet ist der Mittelverbinder, indem hier sämtliche Kräfte zum Maximum zusammenfließen. Hier sollte auf besondere Qualität geachtet werden (hart bricht leichter). Manche Einsteigerdrachen (zB DeltaHawk von HQ) haben übrigens keinen Mittelverbinder, sondern eine durchgehende untere Spreize. Dasselbe gilt für das Gestänge im Bereich des Mittelverbinders. Bessere Einsteigerdrachen verfügen über eine innenliegende Verstärkung des Gestänges an dieser Stelle.

Leitkanten: Die Leitkanten werden insbesondere dann einer hohen Belastung ausgesetzt, wenn der Drachen auf einer Flügelspitze aufschlägt; dies geschieht allerdings eher bei etwas fortgeschrittenen Piloten, die mit entsprechenden Trickfiguren experimentieren. Hier ist es von Vorteil, wenn die Leitkanten nicht von vorneherein aufgrund der Segelkonstruktion vorgebogen sind (wie bei manchen Trickdrachen üblich). Auch ein Blick auf die Segelabspannung an den Flügelspitzen kann lehrreich sein: Während fortgeschrittene Drachen dort oft über individuelle Lösungen verfügen, sind die Flügelspitzen von Einsteigerdrachen meist nur mit einem Gummi dort gesichert, was auch völlig ausreicht – sofern das Gummi denn einen zuverlässigen Eindruck macht und nicht etwa lieblos mit einer Blechschelle oder einem Kabelbinder zusammengehalten wird.

Standoffs: Die Segel werden mit sogenannten Standoffs vorprofiliert, um den Start zu erleichtern, das Flugverhalten günstig zu beeinflussen und die Geräuschentwicklung an der Leitkante zu mindern. Je nach Typ können diese Standoffs ausgesprochene Verbrauchsartikel sein, indem sie entweder leicht brechen oder schlicht verloren gehen. Ersteres lässt sich ja nach Flugstil kaum vermeiden (schlaue Einsteiger erwerben gleich zwei-drei passende Ersatzteile beim Händler), letzterem sollte seitens des Hersteller durch eine vernünftige Befestigung im Segel vorgebeugt werden. Von völlig unbefestigten Standoffs, die einfach in das Segel gesteckt und durch den Gegendruck des Segels gehalten werden, sollte abgesehen werden. Verbreitet sind Clips aus Kunststoff. Abzuraten ist von Drachen, die die Standoffs im Segel in Form von metallischen Ösen aufnehmen. Diese Ösen rosten sehr schnell und zerstören damit das Segel. (Seitenanfang)

Ein paar Tipps für den ersten Flug

Möglichst lange Schnüre verwendenAnfänger machen oft den Fehler, dass sie mit kurzen Schnüren beginnen (nach dem Motto: Erst mal klein anfangen). Tatsächlich werden Lenkdrachen immer schneller und schwerer kontrollierbar, je kürzer die Schnur ist.

Drachenhelfer vorbereiten: Wenn man jemanden hat, der beim ersten Flug hilft, sollte der unbedingt hinter dem Drachen stehen und nach dem Abheben sofort ein paar schnelle Schritte rückwärts gehen. Erstens vermeidet man damit, dass der Helfer zum Hindernis für die Schnüre wird, zum anderen ist der Helfer seinerseits geschützt, wenn der Drachen nach einem schnellen Loop wieder herunterknallt (was ungeübten Piloten leicht passieren kann). Der Start sollte übrigens möglichst vom Boden aus erfolgen, nicht aus den Händen des Helfers (der sich auch verletzen kann, wenn er nicht rechtzeitig loslässt oder mit einer Schnur ins Gehege kommt). Gute Einsteigerdrachen sind auch so konstruiert, dass sie ohne Probleme aus der Rückenlage aufgerichtet werden können (klappt allerdings auch nur auf einem entsprechendem Untergrund wie etwa Rasen oder Sand). Bei einem guten Einsteigerdrachen hat der Helfer also kaum mehr zu tun, als den Drachen auf den Boden zu stellen (und den Drachen wieder ins Zentrum des Windfensters zu tragen, die Schnüre zu entwirren, den Kaffee zu holen, die Zigarette anzuzünden und neidisch auf den Piloten zu sein)

Drachen starten: Der klassische Start eines Lenkdrachen verläuft wie erwähnt vom Boden aus, indem der Drachen auf beiden Flügelspitzen an den gestrafften Schnüren steht – logischerweise in Windrichtung. Dann sollte der Pilot die beiden Schnüre an ausgestreckten Armen gerade vor den Körper halten, eine Gedenksekunde für die Windgötter einlegen und dann beide Arme gleichmäßig nach unten bewegen und zugleich ein paar Schritte nach hinten gehen. Sofern alles stimmt (und beide Schnüre wirklich gleichmäßig gezogen wurden) sollte der Drachen gerade nach oben ziehen. Kleinere Unregelmäßigkeiten im Zug quittiert der Drachen mit Kursabweichungen in die Richtung, in die mehr gezogen wurde, größere denn gleich mit einem Loop und vermutlich anschließendem Absturz.

Langsam anfangen: Nicht gleich versuchen, alles nachzumachen, was die anderen tun. Erst einmal einen ruhigen Punkt oben im Windfenster suchen und dort versuchen, den Drachen ruhig auf einer Position zu halten. Dann – wenn das klappt – vorsichtig kleinere und schließlich größere Schwenks nach rechts und links versuchen und immer wieder in die Mittelposition zurückkehren. Diese Position ist zugleich die „Warteposition“, in der man den Drachen halten muss, wenn unten Menschen vorbeigehen, deswegen sollte man sich dort sehr wohlfühlen und sie sicher einnehmen können... Wenn man das beherrscht, mit größeren Kreisen oder „liegenden Achten“ anfangen, langsam den Radius der Kreise verkleinern. Der Rest kommt von selber. Der am meisten zu beobachtende Fehler bei Einsteigern ist die Armhaltung: Viele versuchen, den Drachen bei zunehmender Panik mit immer höher erhobenen Armen zu fliegen, oder indem sie den Bewegungen des Drachen mit Verschränkungen der Arme folgen (zieht der Drachen nach rechts, geht der rechte Arm über den linken und umgekehrt) Im Idealfall (sozusagen der „Nullstellung“) befinden sich die Arme in angewinkelter Haltung unmittelbar vor dem Körper und stehen die ganze Zeit über parallel zueinander. Es gibt also praktisch nur eine Vorwärts- (Vom Körper weg) und eine Rückwärts- (an den Körper heran)-Bewegung der Arme, keine Nach-oben, nach rechts, nach links oder nach unten-Bewegung. Nach oben und unten ist sowieso unnötig, weil damit überhaupt kein Bewegungseffekt erreicht wird, die Bewegung nach rechts und links wird mit dem gesamten Körper vollzogen, der somit immer parallel zum Drachen steht. Insgesamt sollte man Körpereinsatz nicht scheuen und versuchen, mit Bewegungen auf den Drachen einzugehen: Geht man auf ihn zu, verringert man den Druck im Segel (der Drachen wird langsamer), bewegt man sich von ihm fort, erhöht man den Druck – der Drachen wird schneller (oft genug die einzige Chance, ihn am Himmel zu behalten.) Übrigens mal ein persönliches Wort zum Umgang mit dem Drachen: Man sollte versuchen, bei den ersten Flugversuchen den Charakter und die Persönlichkeit des Drachen kennenzulernen: Wie reagiert er auf mich? Wie reagiert er auf den Wind? Was will er von mir haben? Wie möchte er behandelt werden. Und: Wie behandelt er mich? Stellen Sie sich einfach mal testweise vor, Sie lernen einen bis dahin unbekannten Menschen kennen und erforschen so langsam sein Wesen.... (hilft nicht unbedingt, ist aber nett)

Drachen landen: Es gibt zwar eine Menge eleganter Methoden, einen Drachen wieder auf den Boden zu bekommen, hier interessiert nur die einfachste: An den Rand des Windfensters nach rechts oder links fliegen, bis der Drachen keinen Winddruck mehr hat und von selbst zum Boden sinkt. In kräftigen Winden ist das manchmal gar nicht so ganz einfach, da hilft es, den Drachen zusätzlich in Richtung Boden zu lenken. (Ergänzung von Stefan Trcez: Ist absehbar, daß der Drachen der eigenen Kontrolle entzogen ist und abstürzen wird, sollte man auf den Drachen zugehen/springen, um den Druck aus dem Segel zu nehmen. "Weiche" Abstürze sind eine Voraussetzung, um an einem leistungsfähigen Drachen längere Zeit Spaß zu haben.)

Waage nicht verstellen: Bei besseren Drachen ist die Waage werkseitig richtig und gut eingestellt (und oft mit farbigen Markierungen als werkseitige Einstellung gekennzeichnet). Wenn der Drachen nicht gleich fliegt, liegt das meistens eher am Wind oder am Piloten. Bevor man also an der Waage herumfummelt (und sie womöglich neu verknotet!) sollte man erst einmal die anderen Bedingungen überprüfen oder einen erfahreneren Piloten um Rat bitten. Ein einfaches Kriterium, um festzustellen, ob die Waage sehr falsch eingestellt ist, ist, die Waage an den beiden Endpunkten zu fassen (also dort, wo die Flugleinen befestigt werden) und den Drachen mit erhobenen Armen in den (hoffentlich vorhandenen) Wind zu halten. Im Idealfall steht der Drachen gleichmäßig über einem und kann man Unregelmäßigkeiten der Waageeinstellung mit dem Auge erkennen. Wenn die Waage dann doch verstellt werden muss, immer nur in kleinen Schritten vorgehen (2-5 mm) und sich genau merken, was man verändert hat, dann erneut fliegen und das Verhalten beobachten. Falls sich das Verhalten eher verschlechtert, zuerst wieder in die vorherige Position zurückgehen. Und: Immer nur eine Änderung zur Zeit vornehmen und erst wieder das Flugverhalten überprüfen - nur so kann man lernen, welche Maßnahme welche Änderungen herbeiführt.

Nach dem Absturz: Bei guten Drachen verlaufen die meisten Abstürze glimpflich und ohne Schaden für den Drachen. Manche Drachen zerlegen sich beim Aufprall regelrecht selbst (was dramatisch aussieht, aber letztlich das Gestänge schont). So oder so sollte man nach jedem Crash den Sitz des Gestänges in den Verbindern überprüfen, denn es kann leicht passieren, dass die Stangen unmerklich ein wenig herausrutschen und dann beim nächsten Absturz besonders gefährdet sind.

Was tun, wenn eine Leine reißt?: Es kann schon mal vorkommen, dass eine Leine reißt; in diesem Fall wird der Drachen zu einem unkontrollierbarem Drehkreisel am Himmel, von dem auch Gefahren ausgehen können. Keinesfalls sollte man dieses Spiel unnötig lange herauszögern (zumal mit jeder Drehung das Schnurknäuel größer wird...), sondern versuchen, durch schnelles auf den Drachen Zulaufen den Druck aus dem Segel zu nehmen und ihn zum Absturz zu zwingen. (Seitenanfang)

Sicherheit Gerade Einsteiger sollten sich unbedingt an ein paar grundlegende Regeln halten und bitte bedenken, dass sie beim Missachten dieser Regeln nicht nur sich und andere gefährden, sondern auch dazu beitragen, den schönen Sport des Lenkdrachenfliegens in der Öffentlichkeit in Misskredit zu bringen. Tatsächlich ist es so, dass die meisten erfahrenen Piloten von sich aus sehr umsichtig sind, während der meiste Schaden (Drachenflugverbote, Beschwerden von Spaziergängern etc.) von Anfängern verübt wird, die nach ein paar halbherzigen Versuchen ohnehin nichts mehr mit Lenkdrachen zu tun haben wollen. Das finden wir Fortgeschrittenen nicht sehr nett, deswegen nehmen wir uns auch öfters heraus, Einsteigern entsprechend auf den Weg zu bringen...

  1. Nicht über den Köpfen von Menschen fliegen (das beeindruckt niemanden außer den Arzt in der Notaufnahme)
  2. Keine waghalsigen Tricks machen, wenn sich Menschen im Windfenster – also im vom Drachen erreichbaren Bereich – befinden (als Einsteiger weiß man nicht unbedingt, wie der Drachen in Extremsituationen reagiert....)
    In beiden Fällen sollte der Drachen am oberen Windfensterrand in der Ruheposition geparkt werden, bis eine Änderung der Situation eintritt. Wenn dies nicht möglich ist (manche Leute bleiben dann extra stehen und warten, bis man weiterfliegt) demonstrativ mit dem Drachen an der Leine zur Seite gehen. Notfalls notlanden und den Leuten die Situation erklären.
  3. Nicht die eigenen Kräfte überschätzen. Wind ist eine ziemlich unkalkulierbare Sache. Wenn ein Drachen schon bei normalen Verhältnissen die Kräfte fordert, können plötzlich auftretende Böen den Drachen oder die Schnüre zerstören oder auch zu völligem Kontrollverlust über den Drachen führen.
  4. Keine lauten Drachen fliegen. Das findet meistens nur der Pilot schön.
  5. Keine Kevlaer-Schnur fliegen. Kevlaer-Schnüre haben einen höheren Schmelzpunkt als andere Schnüre und durchtrennen diese deswegen sehr schnell. Außerdem können durch Kevlaer-Schnüre sehr leicht Verletzungen entstehen.
  6. Nicht in der Nähe von Einleinern fliegen. Auch „normale“ Lenkdrachenschnüre können feststehenden Schnüre leicht durchschneiden. Deswegen sollte man den „wehrlosen“ Einleiner-Drachen aus dem Weg gehen. Wenn sich doch die Schnüre kreuzen, möglichst schnell den Drachen auf den Boden bringen und die Schnüre entlasten (notfalls einfach loslassen)– keinesfalls versuchen, die Schnüre durch geschickte Flugbewegungen zu entwirren oder etwa den Drachen an der Einleinerschnur herunterzuziehen: Damit wird die andere Schnur erst recht durchgeschnitten.
  7. Keine Hunde provozieren. Manche Hunde haben die Neigung, hinter Lenkdrachen herzulaufen und sie wild bellend zu verfolgen. Diesem (natürlichen) Verhalten sollte man aus dem Weg gehen, indem man den Drachen in der Ruheposition parkt. Wenn der Hund den Drachen erwischt, geht das meistens schlecht für beide Seiten (Drachen und Hund) aus. Außerdem können bei Hunden echte „Drachenneurosen“ beim schmerzhaften Zusammentreffen mit einem Drachen entstehen, was dazu führt, dass der Hund noch sensibler auf den Drachen reagiert.
  8. Keine zerbrochenen Einzelteile oder Schnurreste auf der Wiese/ am Strand liegen lassen. Gestängereste können für Kinder wegen daran befindlicher Kohlenfaser-Splitter gefährlich sein, Schnurreste sind insbesondere für Tiere sehr gefährlich.
  9. Und logischerweise gilt für Lenkdrachen, was auch für alle andren Drachen gilt:
  • Nicht in der Nähe von Strommasten oder stark befahrenen Straßen fliegen
  • Nicht bei Gewitter fliegen (Achtung: Blitzentladungen an Drachen können auch unmittelbar vor oder nach einem Gewitter stattfinden....)
  • Nicht in der Nähe von Flughäfen fliegen (5 km ist gesetzlicher Mindestabstand....)
  • Nicht in der Nähe von Autobahnen fliegen (1 km ist gesetzlicher Mindestabstand....)
  • Nicht an Schnüren länger als 100 Meter fliegen (inklusive Waage)
  • Nicht in Naturschutzgebieten oder anderen natürlichen Ruhezonen fliegen