Russel Hall (Bauplan)

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Russel Hall mit Design von Alois Greven

Beschreibung des Drachens siehe Russel Hall

Allgemein

Die hier vorgegebene Größe entsteht aufgrund der bestmögliche Ausnutzung handelsüblichen Materials und weicht also von den Vorgaben Pelhams ab. Im Schnittplan (Skizze) sind Nahtzugaben von 1 cm angenommen. Für die Stabtaschen wurde (vorsichtshalber) eine Breite von 4 cm vorausgesetzt, dies läßt ein wenig Spiel ( bzw. Ungenauigkeiten beim Nähen) zu. Es scheint bei diesem Drachen nicht sehr wesentlich zu sein, ob die Stäbe fest in den Taschen sitzen. Bei den "Flossen" schlägt Pelham die Befestigung auf den Stäben vor, die Originalskizze hat diese aber an der Spannschnur.

Das Schnittmuster wurde unter exakter Ausnutzung der Fläche für das Segel und die Flossen kalkuliert. Wer auf Nummer Sicher gehen möchte, sollte ein paar Zentimeter in der Länge des Tuchs zugeben, zumal es bei größer gewählten Nahtzugaben am Treffpunkt Segel/Flosse eng werden kann. Bei der Breite des Segels ist die für die Schnureinfassung nötige Zugabe von ca. 2 cm berücksichtigt. Der Schnittplan geht von einem Segel mit 2 Paneelen aus (rechte und linke Segelhäfte), es ist aber noch genügend Spiel, um wenigstens ein 2. Paneel pro Segelseite inklusive Nahtzugabe zu schneiden.

Eine Besonderheit ist die umlaufende Spannschnur, die in das Segel eingebracht werden muß und die der Konstruktion Stabilität verleiht (und die übrigens beim Zusammenbau inklusive alle andere Schnüre ziemlich nervig werden kann).

Als Mittelkreuz könnte, was einfacher wäre, einfach ein Kreuzverbinder 10/10 aus der Lenkdrachenproduktion verwendet werden (wenn´s sowas überhaupt gibt), aber dann gibt´s Probleme mit der Befestigung für die Vorprofilierung. Irgendwie "handwerklicher" ist auch die Variante, ein mit zwei quer zueinander angebrachten Bohrungen versehenes kräftiges Schlauchstück zu versehen (Skizze). Bei diesem Typ können sinvoll zwei Alumuffen über Kreuz verwendet werden. Der Stab für die Vorprofilierung kann dann unkompliziert zusätzlich in den Schlauch geschoben werden. Natürlich kann man sich den Kreuzverbinder auch sparen, wenn man den Mittelholm als durchgehenden Stab auf 2 Meter Länge wählt, aber zum einen gibt´s keine 2 Meter GFK-Stäbe (wüßte ich jedenfalls nicht), zum anderen wird das Packmaß verringert.

Material

  • 3,5 Meter Polyant oder Toray 42 g/104 cm breit
  • 3 x 1 m GFK 10mm
  • 1 x 1,65 GFK 10 mm
  • 4 Splitkappen 10 mm
  • 1 Stückchen Schlauch ca 1 cm, Innendurchmesser 10 mm oder 10 mm Stopperclips
  • 2 gesperrte Alumuffen (bzw. 1 Alu, 1 Messing)
  • 1 Schlauchstück ca 5 cm/25 mm
  • ca. 10 cm Dacronverstärkung
  • 2 Aluringe
  • 1 Schnurspanner
  • ca. 10 Meter Waageschnur (auch als Spannschnüre verwendet)

Zusätzliches Material für Vorprofilierung (optional)

  • 1 kleiner Karabiner/Clip
  • 1 x 35 cm GFK 3 mm
  • 1 Splitkappe, besser: Standoffhalter 3
  • ggf. ein Stückchen Schlauch Innendurchmesser 3 mm (zur Aufnahme am Kreuz)
  • ca 1 m leichte Waageschnur

Originalskizze

RusselHall1.jpg

Schnittplan

RusselHall2.jpg


Übersichtsplan

RusselHall3.jpg


Mittelkreuz

RusselHall4.jpg


Profilierung

RusselHall5.jpg

RusselHall6.jpg


Detailfotos

obere Waagebefestigung RusselHall7.jpg

Dacronverstärkung und Spannschnur oben RusselHall8.jpg

Segelspanner RusselHall9.jpg


Arbeitsschritte (Übersichtsplan und Foto)

  1. Segel zuschneiden
  2. Segelhälften mit offener Kappnaht vernähen (Kappnaht ist auf Segelrückseite offen)
  3. Segel rundum säumen. Die Segelspitze mit einem kleinen Stück Dacron (ca. 6 mal 2 cm) einfassen (Foto)
  4. Tasche für Mittelholm nach innen abnähen (offene Kappnaht liegt in der Tasche)
  5. Kanal für Spannschnur nähen. Je nach Geschick kann es sinnvoll sein, die ca. 5 Meter lange Spannschnur erst nach dem Nähen einzuziehen (z.B. mit einem Stück 2 mm Stab, an dessen Ende die Spannschnur befestigt ist). Die Schnur muß zum jetzigen Zeitpunkt noch frei im Segel beweglich sein.
  6. Jetzt oben an der Spitze die Schnur ein ausreichendes Stück herausziehen (ca. 10 cm) und unten an den Segelspitzen die Spannschnur auf eine Länge von ca. 10 cm mit Zickzackstick vernähen. Nur nötig, falls Vorprofilierung berücksichtigt werden soll: Spiegelsymmetrisch ca. 35 cm vom Mittelholm entfernt zwei kleine Dacronverstärkungen am Segelrand einnähen, mit Hohlnieten oder Nahtbandschlaufen (eleganter) versehen
  7. Flossen zuschneiden und säumen
  8. Taschen für Querstreben am kürzeren Schenkel des Dreiecks abnähen (bitte schön nicht versehentlich einen der beiden längeren Schenkel erwischen...)
  9. Kreuzverbinder anfertigen (Skizze)
  10. Gestänge zuschneiden, vorsichtshalber vorher am Originalsegel ablängen.
  11. Gestänge in Segel einschieben
  12. Alle vier Spitzen mit Splitendkappen versehen. Bevor die Splitkappe oben aufgesetzt wird, passendes Schlauchstückchen (oder Stopper) aufschieben, mit Sekundenkleber fixieren (hält später die obere Waagebefestigung: Foto)
  13. Gestänge zusammenbauen.
  14. Spannschnur durch Splitendkappen führen. Oben mit Knoten auf sanfte Spannung bringen (kann ggf. später nachgestellt werden).
  15. Untere Befestigung der Spannschnur: Am Mittelkreuz ein ca. 35 cm langes (+ Knotenzugabe) Stück Waageschnur befestigen, unten Aluring anbringen. Dieser Aluring dient später auch zur Befestigung des Schwanzes. Die beiden Enden der Spannschnur durch den Ring führen, dann durch die Splitkappe, Segel anspannen, wieder nach oben, umwickeln und verknoten (so läßt sich die Segelspannung besser nachstellen: Foto)
  16. Mit Schnurspanner versehene Spannschnur (ca. 2 Meter lang) über die Splitendkappen der Mittelstrebe befestigen.
  17. Waage (ca. 3 Meter lang) oben und am Mittelkreuz befestigen. Alternativ läßt sich auch eine Verbundwaage installieren, indem die Waage (ca. 2,5 m) nicht unten am Mittelkreuz, sondern rechts und links an den Spitzen befestigt wird. Mit Buchtknoten in einem Aluring fixieren, dort die obere Waage (ca. 1,5 M) einknoten. Dadurch lassen sich Unregelmäßigkeiten beim Bau seitlich ausgleichen und der Drachen bekommt mehr Seitenstabilität, was er ausgesprochen benötigt. Der Waagepunkt befindet sich ziemlich weit oben.


Der Drachen ist soweit flugfertig, sobald der Schwanz angehängt ist. Dieser Schwanz kann als Röhre oder einfach als Flachschweif angefertigt werden. Er sollte ca. 14 Meter lang sein (7-fache Drachenhöhe), notfalls tut es auch ein vorgefertigter Plastikschwanz. Bei leichteren Winden kann die Länge des Schwanzes entscheidend sein: Ist er zu lang (= zu schwer), hebt der Drachen nicht ab, ist er zu kurz (=zu leicht) kippt der Drachen.


Vorprofilierung

Zur Vorprofilierung (Skizze und Foto) sind noch folgende Arbeitsschritte nötig:

  1. Segelspannschnur (ca. 70 cm) an den Dacronverstärkungen an der Schleppkante befestigen
  2. 3 mm GFK Stab (oder ähnliches) mit geschlossenem Standoffhalter (oder Splitkappe, Standoffhalter ist sinnvoller, weil die Schnüre nicht "rausspringen" können) versehen.
  3. Stab in den Schlauch des Kreuzverbinders einfügen (sollte bei 10mm Alumuffen und 25 mm Schlauch ziemlich stramm dort hineinpassen. Wenn dies nicht der Fall ist, kann man auch ein kleines Schlauchstück mit Innendurchmesser 3 mm mit Tape am Kreuz befestigen (siehe Skizze), in diesem Fall muß natürlich das hintere Ende verschlossen werden, z..B. mit einem 1 cm Stück 3 mm GFK + Sekundenkleber)
  4. Eine Schnur vom Ende des Stabes zur unteren Spitze abmessen, das Ende der Schnur mit einem Clip oder kleinen Karabiner versehen und in den Aluring einhängen.
  5. Segelspannschnur auf (sanfte) Spannung ablängen. (Achtung: Nicht zu kurz abschneiden, die tatsächliche Länge hängt davon ab, ob und wie stark die Querstrebe durchgebogen ist.)


Anmerkung zur Vorprofilierung: Es handelt sich bei diesem System der Vorprofilierung lediglich um eine "Stütze" des Segels, es ist also nicht nötig, das Segel etwa unter Spannung zu setzen. Aus diesem Grund kann die ganze Konstruktion auch ziemlich leicht gebaut werden. Nur scheinbar wäre es einfacher, zwei Standoffs von der Querstrebe rechts und links zum Segel zu führen, wie man das bei Lenkdrachen macht. Die Querstrebe liegt ca. 5 cm tiefer als das Segel, dadurch würde das Segel dazu neigen, nach oben einzuklappen. Man müßte eine stark gebogene Standoffspreize von hinten in eine Stabtasche führen, damit das vermieden wird. Außerdem ist die Befestigung der Standoffs an den (10 mm) GFK-Stäben problematisch, bzw. müßte in der Stabführung der Flossen erfolgen. So scheint´s mir am einfachsten zu sein, andere Vorschläge werden gerne zur Kenntnis genommen, bessere hier veröffentlicht. (wie man am Link zu Andreas Hardtungs Vorschlägen sehen kann...)

Anmerkung

Diese Anleitung ist im besten Wissen und Gewissen geschrieben, dass auf Inhalte, Techniken und Namen keine Copyrights liegen; wenn dies nicht so ist, bitte ich um Mitteilung. Außerdem möge man sich bitte nicht bibelhaft an die Einzelschritte halten, sondern dies nur als Empfehlung und eine Art "Erfahrungsbericht" verstehen, erfahrenere Drachenbauer als ich einer bin wissen sicherlich manche Schritte anders, besser, sinnvoller zu machen.


Bauplankommentare und Ergänzungen

Andreas Hardtung (ergänzt am 16.02.98)

.. Skizzen aus Pelham....

Der einzige andere Plan, den ich kenne, stammt von Thomas Kratz, dessen Drache auch ganz gut fliegt, und irgendwann im "Fang den Wind" erschienen ist. Ein Bericht über eine Menschentragende Kette aus Russel Halls ist unter dem Titel "Das Hößle Himmelbett" im DraMa Nr.8 S.65 (Mai-Juli 1991) erschienen.


Pelham behauptet eine "vorzügliche Stabilität" .... ich kann das leider nicht so bestätigen ....

Nicht umsonst ist der Schwanz im Plan verzeichnet. Hößle fliegt ohne die Wimpel, dafür mit nicht drehenden Windsäcken als Schwanz (selbst damit ist auf Seite 60 eine deutliche Neigung zur S-Kurve zu verzeichnen).


Beim sehr steilen Steigen neigt der Drachen zu S-Kurven ....

Dieses Flugbild scheint typisch für Deltas mit kleinen Nasenwinkeln zu sein. Ohne Schwanz hält diese S-Kurve permanent an, falls er nicht ganz abschmiert. Wenn die S-Kurve stationär geflogen wird, wird sie als liegende Acht beschrieben. Die Acht wiederum wird bei einigen steil fliegenden Drachen beobachtet, z.B. beim Wau Bulan mit dem Wettbewerbe im Steilfliegen ausgetragen werden.


... es ist anzunehmen, daß er ab einem bestimmten Punkt wieder ins Trudeln kommt....

Das liegt vermutlich an deiner sehr steifen Querstrebe. Die sollte sich eher leicht biegen lassen so, daß sie bei viel Wind nachgibt, sich das Segel vorn stark zusammenzieht, die effektive Fläche sich verringert und die Kielwirkung sich vergrößert. Dabei ist dann der Leinenzug nahezu konstant. (nachträgliche Anmerkung von Meymer: bin Russel Hall inzwischen bei rd. 6 Beaufort geflogen: wackelt aber steht...)


Bei den "Flossen" schlägt Pelham die Befestigung auf den Stäben vor, die Originalskizze hat diese aber an der Spannschnur Das ist auch deutlich sinnvoller. Als ich die Wimpel noch auf der Spreize hatte, haben die sich beim "Pumpen" immer in den hinteren Abspannleinen verheddert, oder im Steigflug über die Spannschnüre gelegt. Seit sie in der Spannschnur sind dämpfen sie auch den S-Schlag besser - ist mein Eindruck. Auch das seitliche Abschmieren könnte sich gebessert haben.


Eine Besonderheit ist die umlaufende Spannschnur...

Ich habe nur einen Saum der, an der Vorderkante, 5-fach liegt und die umlaufende Schnur einspart. Heute würde ich Nahtband aufsetzen. Den Fadenlauf an dieser Stelle zu optimieren würde auch noch was bringen, ist aber wohl durch den dann hohen Verschnitt unrentabel. Die Schnüre sind wirklich nervig an dem Ding. Einer der Gründe warum ich ihn nicht viel fliege. Die Wimpel als obere Abspannung zu benutzen entschärft das Problem ein wenig. Verschärft wird die Situation bei mir dadurch, daß meine Stabkreuzung nur gebunden ist.


... Spannschnur ... auf sanfte Spannung bringen...

Die Rahmenspannung sollte meiner Meinung nach so hoch wie möglich sein. Mein 6mm CFK-Mittelstab fängt an sich leicht nach unten durch zu biegen (sollte vielleicht doch mal einen 8er probieren).


Mit Schnurspanner versehene Spannschnur ... befestigen.

Wie gesagt, ist die Version mit den Wimpeln in der Spannschnur, genauer als Spannschnur recht vielversprechend. Mit Schnurspannern habe ich schlechte Erfahrungen gemacht. Die verstellen sich immer – besonders wenn die Querstrebe sich unter Druck biegt. Ich bevorzuge auch bei meinen Rokakkus feste Längen.


... Alternativ läßt sich auch eine Verbundwaage installieren ...

Die Verbundwaage halte ich für keine gute Idee, weil dann die Querstrebe nicht mehr durchbiegen kann, der Drache keinen Druck abbauen kann, die Kielwirkung nicht verstärkt wird (und noch ein zusätzliches Stück Schnur im Wege ist).


Der Waagepunkt befindet sich ziemlich weit oben...

Im Gegenteil. Bei mir würde ich sagen, daß die Waage eher Steil also weit unten steht. Das hängt wohl damit zusammen, daß dein Drachen im Steigflug sonst zu unruhig wird. Das wird durch eine weichere Spreize verbessert.


Die Vorprofilierung ist mein Vorschlag, andere werden hier gerne mitgeteilt. Ja, im Pelham ist irgendwo der Wurm drin. Meine Lösung bestand darin, den "Tunnel" zu vertiefen. Das kann durch vergrößern der Segelbreite oder durch verkleinern der Spreitzenlänge geschehen.


Meine Fertigmaße: Segelhälfte Dreiecksseiten: 147, 170, 80 cm. Wimpel Dreeicksseiten: 64, 98, 98 cm. Querspreize 155 cm. Mittelstab 200 cm. Ich habe ungemuffte 6mm CFK benutzt. 200cm und 155cm


von Alois Greven (08.11.98)

Vorzugsweise in leichtem Wind fühlt sich der Drachen besonders wohl. Frischt der Wind auf, dann legt der Drachen nahe der Spitze die "Ohren" an. Will heißen, er wird sehr schlank, gleichzeitig biegt sich natürlich die untere Querspreize. Leider sieht er dann nicht mehr ganz so schön aus.

Maße: Kielstab 330cm, Spreize 2 x155cm, Schwanzlänge ca. 21m


Urheber

Der Urheber dieses Bauplanes ist Lothar Meyer, November 1997